David Hume und die schottische Gefühlsmoral.
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die Vorstellungen des Ehrenvollen, Edlen u. s. w. bestehen, und durchwelche äusseren und inneren Bedingungen sie in uns entstehen können.Auch nach der psychologischen Seite hat also Smith den innerstenKern der ethischen Frage nicht aufgeschlossen. Dazu kommt, dassdie psychologische Frage nicht die einzige ist. So sehr Smith mitErfolg bemüht war den Werthunterschied der sittlichen Urtheile voranderen klarzumachen, so gelang es ihm doch nicht, den Haupt-grund dieses Werthunterschieds, nämlich den normativen Charakterdes Ethischen darzuthun.
Indem auf diese Weise die psychologische Untersuchung beiihren bedeutendsten Vertretern, einem Hartley, Hume und Smith,sich unzulänglich erweist zur Begründung der Ethik, tritt hier eineandere Richtung ergänzend ein, welche zumeist gerade in den nor-mativen Charakter des Sittlichen den Schwerpunkt ihrer Auffassungverlegt und, um denselben begreiflich zu machen, auf eine meta-physische Begründung der Ethik zurückgeht. Ehe wir dieseEntwicklung verfolgen, die durchgängig im Gegensätze zur empiri-schen Moralphilosophie der Engländer steht, bleibt aber noch einesAusläufers der letzteren hier zu gedenken.
e. Die Ethik des französischen Materialismus.
Obgleich die Weltanschauung der französischen Philosophendieser Zeit von den politischen und socialen Zuständen des Jahr-hunderts vor der Revolution wesentlich bestimmt und ausserdem vonnationalen metaphysischen Traditionen, von der materialistischen Ato-mistik eines Gassendi, von der Naturphilosophie Descartes’ beeinflusstist, so knüpft doch ihre Ethik zunächst an diejenige der englischenMoralphilosophen, namentlich Lockes und seiner utilitarischen Nach-folger an. Der Hauptrepräsentant dieser Ethik der französischenAufklärung ist Helvetius*). Seinen Gedanken begegnet man inwenig veränderter Gestalt auch bei anderen Vertretern der gleichenRichtung. Am nächsten unter den Nachfolgern Lockes berührt ersich mit Mandeville. Aber es scheidet ihn von diesem ein praktischerIdealismus, der überhaupt dem französischen Materialismus ebensowie seinen Gegnern eigenthümlich ist. Diese Philosophen fühlensich als die Träger einer neuen Weltentwicklung. Ihre Beredsamkeit
*) De l’esprit. Paris 1758. Deutsche Ausgabe, mit einer Vorrede von Gott-sched. Leipzig und Liegnitz 1760. De l’homme, de ses facultes intellectuelleset de son education. Oeuvr. posth. Londres 1773.