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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die neuere Ethik.

Uebertragung ein Bewusstsein besitze. Jeder Handelnde wisse, dasseine That nicht bloss in dem Betroffenen, sondern vermöge der ob-jectiven Sympathie in allen Anderen Vergeltungsgefühle wachrufe,und dass sich diese wieder vermöge der subjectiven Sympathie wenigerauf den Effect der Handlung als ihre Motive beziehen. In dem Be-wusstsein dieser Uebertragung der Vergeltungsgefühle besteht dasGewissen, das demnach ebenso wie der auf ihm beruhende Werthdes Sittlichen in der Gesellschaft seine Quelle hat*). Der Religionaber erkennt Smith im Unterschied von Hume eine grosse ethischeBedeutung deshalb zu, weil sie das hauptsächlichste Mittel sei, denallgemeinen Sittengeboten grösseren Nachdruck zu geben und dasnatürliche Pflichtgefühl zu verstärken. Selbst den unvollkommenerenheidnischen Religionen fehle dieser moralische Werth nicht, da sie,trotz ihrer niedrigen Vorstellungen von den Göttern, in diesen dieVollstrecker des Sittengesetzes erblicken**).

Mit Adam Smith hat die ältere Entwicklung der englischenMoralphilosophie ihren Abschluss und zugleich ihren Höhepunkt er-reicht. Die von Hume begonnene psychologische Analyse des Sitt-lichen ist von ihm mit einer für den Zustand der Psychologie seinerZeit bewundernswerthen Meisterschaft zu Ende geführt und von denheterogenen Bestandtheilen der Verstandesmoral, die von Hume nichtüberwunden waren, befreit worden. In dieser psychologischen Rich-tung besteht seine Stärke, aber auch seine Schwäche. So fein seineZergliederung der sittlichen Motive ist, und so vortreffliche Diensteihm in dieser Beziehung namentlich seine Entdeckung des subjectivenSympathiegefühls leistet, so lässt doch gerade die Einführung desletzteren eine Lücke, die bei Hume vermöge der von ihm versuchtenAbleitung der Gerechtigkeit aus der Reflexion minder bemerkbargewesen war. Wenn wir Sympathie fühlen mit der Gesinnung destugendhaft Handelnden, weil wir über unsere eigene sittliche Ge-sinnung Befriedigung empfinden, so ist damit über den letzten Grunddieser Befriedigung keine Rechenschaft gegeben. Die Berufung aufein unmittelbares Gefühl schiebt die Frage hinaus, aber beantwortetsie nicht; denn es frägt sich eben, welche Motive dieses Gefühl hat.Wenn Smith die Liebe zum Ehrenvollen und Edlen, das Strebennach einem grossen und würdevollen Charakter als solche Motivebezeichnet, so ist das ein Cirkel, denn es bleibt festzustellen, worin

*) Ebene!., Thl. III, S. 261 ff.

**) Ebend., 3. Hauptst,, S. 311 ff.