David Hume und die schottische Gefühlsmoral.
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die Motive verstärken und selbst bei der Beurtheilung derselben dengünstigen Eindruck erhöhen.
Neben dem subjectiven räumt sodann Smith nicht minder demobjectiven Sympathiegefühle seinen Werth ein; nur sucht er auch diesespsychologisch genauer zu bestimmen. Hier versetzen wir uns nicht indie Seele des Handelnden, sondern in die Seele desjenigen der von derHandlung betroffen wird: demgemäss kann es nur eine Nachbildungdes Gefühls sein, welches in diesem selbst durch die Handlung erzeugtwird. Handlungen anderer Personen erregen aber in uns Dankbar-keit, wenn wir uns durch dieselben verpflichtet fühlen, einen Rache-trieb, wenn wir uns verletzt fühlen. Das objective Sympathiegefühlkann daher als Yergeltungstrieb bezeichnet werden, sofernwir in dem letzteren die Momente der Dankbarkeit und Rache ver-einigt denken. Auch diese tiefere Erfassung der Sympathie führteinen wichtigen Schritt über Hume hinaus. Eines der bedeutsamstenethischen Motive hatte dieser nicht aus den natürlichen sittlichenGefühlen abzuleiten vermocht, sondern in die Reflexion verlegt: dieGerechtigkeit. Smith weist in dem Vergeltungstrieb die emotionaleWurzel der Gerechtigkeit nach. Diese ist nur der verallgemeinerteVergeltungstrieb, und damit ist sie auf die nämliche Grundlage ge-stellt mit den sogenannten natürlichen Tugenden. Bei der Gestaltungdes objectiven Rechts wird der Ueberlegung und Einsicht vollerSpielraum gelassen, aber dasselbe wird nicht ganz und gar als einErzeugniss der Willkür betrachtet, wie Hume, hier den Spuren Lockesfolgend, angenommen hatte. Nur daraus, dass auch die Gerechtig-keit aus dem Gefühl entspringt, ist, wie Smith hervorhebt, derWerthunterschied des Sittlichen von anderen Gebieten des mensch-lichen Interesses erklärbar, mit denen es so oft verwechselt wordenist, wie mit dem Nützlichen, dem Passenden, dem Vernunftgemässen*).Hume hatte, indem ihm das Sittliche in Bezug auf seine Gefühls-grundlage mit dem Natürlichen, in Bezug auf seine Ergänzung durchdie Gerechtigkeit aber mit dem Klugen und Nützlichen zusammen-floss, für diesen Werthunterschied keine Erklärung gegeben. Smithbemerkt, auch die Vergeltungsgefühle würden, wenn sie, wie diesinnlichen Affecte und andere Gefühle, individuell beschränkt blieben,niemals zu dieser dominirenden Stellung gelangen können. Aber esunterscheide sie eben der Umstand, dass sie sofort durch Sympathieauf andere Personen übertragen werden, und dass Jeder von dieser
*) A. a. 0. S. 202 ff.
"Wundt, Ethik. 2. Aufl.
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