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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die neuere Ethik.

diesen Gegenstand manches zu wünschen übrig. Dass das Sittlichein einem Gleichmass der selbstischen und socialen Affecte bestehe,war von ihm kaum zureichend nachgewiesen worden; insbesonderemusste aber die zu weit gehende Analogie des Ethischen mit demAesthetischen Bedenken erregen.

In diesem Sinne sucht daher schon der erste Vertreter derschottischen Gefühlsmoral, Francis Hutcheson, die Anschauungenseines Vorgängers zu ermässigen und zu berichtigen*). In einerblossen Harmonie zwischen den egoistischen und den socialen Triebenkann nach ihm das Sittliche nicht bestehen; hiergegen spricht dasunbedingte Uebergewicht, welches in unserer Beurtheilung derSympathie gegenüber allen selbstischen Neigungen eingeräumtwird. Nicht eine Harmonie zwischen verschiedenen Affecten, sondernder Sieg der reinen uninteressirten Liebe über alle anderenWillensrichtungen erweckt unsere Zustimmung. Frömmigkeit undGüte sind daher die einzigen Tugenden; die eigene Vervollkommnungaber hat nur dann einen Werth, wenn sie auf diese Tugenden gegenGott und gegen die Mitmenschen sich zurückbezieht. Jener Siegder selbstlosen Neigungen kann nun allein durch einen besonderenAffect der Billigung zu Stande kommen, der sich mit jederwohlwollenden Regung verbindet. Dieser Affect beruht weder aufder Reflexion über den Nutzen einer Handlung noch auf einem gött-lichen Machtgebot noch auf der Erkenntniss der Wahrheit gewisserSätze, sondern er ist ein angeborener Sinn oder Instinct von speci-fischer Art, der nur verschiedene Grade der Entwicklung unter-scheiden lässt. Die Vernunft hat für das Sittliche nicht, wie es dieVerstandesmora] voraussetzt, eine primäre, sondern nur eine secundäreBedeutung, insofern sie uns die sittlich werthvollen Genüsse von denwerthlosen unterscheiden lehrt, und insofern sie uns zur Erkenntnissder sittlichen Weltordnung und der sie erhaltenden Macht und GüteGottes verhilft. Dieser Gedanke ist zugleich massgebend für dasVerhältniss der Religion zum sittlichen Leben. Der Hauptwerthder ersteren liegt für Hutcheson in den unendlichen sittlichen Eigen-schaften, die wir Gott beilegen. Darum schreibt er der Religioneinen ungleich grossem sittlichen Werth zu als sein Vorgänger.Insbesondere auch der äussere Cultus liegt ihm in einem Trieb nachgemeinsamer Gottesverehrung und somit in der nämlichen geselligen

') Philosophia moralis, lib. I, eap. I, §. 9 13. eap. IT. § 5 12, cap. V