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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Shaftesbury und die englische Verstandesmoral.

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fabel zur Geltung bringt*). Auch er behauptet, dass der Egoismusdie einzige wirkliche Triebfeder menschlicher Handlungen sei. Nurist bei ihm nicht das göttliche Gebot oder eine im Jenseits in Aus-sicht gestellte Belohnung die Quelle unegoistischer Handlungen, sonderndiese sind ein heuchlerischer Schein, bei dem ein Jeder für die Opfer,die er bringt, einen um so reicheren Gewinn theils in der Ehre, dieihm zu Theil wird, theils in materiellen Gütern zu erringen hofft.Nimmt man aus der theologischen Utilitätsmoral den Himmel hin-weg, so unterscheidet sie sich nicht allzuviel von der Moral dieserBienenfabel.

Eine tiefer gehende psychologische Begründung der sittlichenMotive versucht dagegen einer der weltlichen Vertreter der Verstandes-moral zu geben, David Hartley**). Er greift auch hier zurückauf das Princip der Association, dessen psychologische Würdi-gung und Anwendung sein Verdienst ist. Wie Locke und die anderenUtilitarier geht er von der Voraussetzung aus, dass die Selbstliebedas ursprüngliche Motiv des menschlichen Handelns sei, sucht dannaber nachzuweisen, dass dieses Motiv allmählich eliminirt werdenkönne, indem durch Association die subjectiven Lustgefühle mit denObjecten auf die sie sich beziehen innig verbunden werden, so dassdiese Objecte zuletzt auch ohne ein egoistisches Interesse Lust er-wecken. Indem nun ferner die Vorstellung sich ausbilde, dass, jeweniger das Ich betheiligt ist, um so weniger die Lustgefühle durchbegleitende Uebel gestört sind, sollen allmählich die egoistischen durchdie unegoistischen Motive besiegt werden. Die eigentliche Substanzder Sittlichkeit besteht ihm schliesslich in der Hingabe an Gott unddie Mitmenschen. Da Hartley diese Hingabe als eine selbstlosefordert, so bleibt er frei von dem Egoismus der gewöhnlichen Utilitäts-moral, wie er denn auch in seiner Anerkennung des Werthes derGefühle der emotionalen Ethik nahe kommt.

d. David Hume und die schottische Gefühlsmoral.

Schon Shaftesbury hatte den Ursprung des Sittlichen auf be-stimmte Affecte zurückgeführt; doch Hessen seine Ausführungen über

*) The fable of the bees or private vices public benefits, zuerst 1714 inLondon erschienen, dann mit einem längeren Commentar des Verfassers öfteraufgelegt. Charakteristische Belegstellen siehe bei Erdmann a. a. 0. II. 1,S. LXXXI ff.

**) De lhomme et de ses facultes. Trad. par Sicard. Paris 1ehap. IV.