David Hume und die schottische Gefühlsmoral.
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Natur des Menschen begründet, aus welcher alle wohlwollendenNeigungen entspringen*).
Indem Hutcheson der Vernunftthätigkeit durchaus nur eineuntergeordnete Bedeutung auf sittlichem Gebiete zugesteht, hat inihm schon die Richtung der Gefühlsmoral ihren Höhepunkt erreicht.Sie war damit aber zugleich in eine Einseitigkeit verfallen, die ihreCorrectur erforderlich machte. Einseitig war sie in doppelter Be-ziehung: einmal weil sie den sittlichen Affect nur in das Wohlwollenverlegte und deshalb der persönlichen Tüchtigkeit nur von diesemGesichtspunkte aus einen sittlichen Werth zugestand; sodann aberweil sie nicht bloss die sittlichen Gefühlsregungen, sondern auchdie Billigung und Missbilligung, die doch immer eine gewisse Ver-gleichung und Beurtheilung voraussetzen, für den Affect in Anspruchnahm. In beiden Beziehungen wird Hutcheson durch Hume ergänztund weitergebildet.
Bei David Hume besteht das Sittliche wieder, ähnlich wiebei Shaftesbury, in einer harmonischen Vereinigung vonEigenschaften, unter denen neben den socialen auch individuelle,die ihrem Träger selbst zum Nutzen gereichen, und andere, diegleichzeitig dem Handelnden und seinen Nebenmenschen vorteilhaftsind, anzuerkennen seien**). Hume verlangt daher eine vollkommeneAusbildung aller dieser Seiten der Menschennatur. Da dieselbenauf natürlichen Anlagen beruhen, so bekämpft er diejenigen Ethiker,welche in der Frei Willigkeit gewisser Handlungen ein Kennzeichenihres sittlichen Charakters sehen. Vielmehr erscheint ihm eine Hand-lung darum nicht minder werthvoll, wenn sie aus der natürlichen Dis-position des Charakters heraus mit innerer NothWendigkeit erfolge***).Lässt er in dieser Beziehung das Sittliche mit dem Natürlichenzusammenfliessen, so glaubt er doch einen wesentlichen Unterschiedder sittlichen von anderen natürlichen Gefühlen statuiren zu müssen.Er besteht darin, dass unsere moralischen Affecte nicht bloss wiedie sinnlichen von dem augenblicklichen Genuss angeregt werden,sondern dass sie einen vollkommen objectiven und uninteressirtenCharakter gewinnen, indem wir moralisches Wohlgefallen an Hand-lungen empfinden, die uns selbst nicht den geringsten Nutzen, jadie uns unter Umständen Schaden bringen, oder indem wir die sitt—
*) Ebend. cap. IV.
**) Inquiry conc. the prineiples of morals, Sect. IX.
***) Inquiry etc., App. IV.