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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Shaftesbury und die englische Verstandesmoral.

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noch in einem jenseitigen Leben, bestehen; auch der Nutzen kannhöchstens als ein Nehenerfolg der sittlichen Handlung, nicht aberals ihr letztes und hauptsächlichstes Ziel gelten. Als solches bleibtvielmehr die innere Glückseligkeit übrig, die unmittelbar mitdem sittlichen Leben verbunden ist.

So wird die Autonomie des Sittlichen durch Shaftesburynach allen Richtungen festgehalten. Das Sittliche ist autonom:1) gegenüber der Religion, der es Gesetze gibt, statt solche vonihr zu empfangen; 2) in Bezug auf seine Motive, denn es ent-springt nicht aus der Reflexion über äussere Erfolge oder aus derAnschauung objectiver Verhältnisse, sondern aus der menschlichenOrganisation und den ihr eingepflanzten Affecten; 3) in Bezug aufseine Zwecke, denn diese bestehen nicht in dem äusseren Nutzender Handlungen oder in der Belohnung, die ihnen zu Theil wird,sondern allein in dem inneren Gefühl der Beseligung, welches dassittliche Erlebniss begleitet.

Trotz der hohen Vorzüge, die diese Theorie durch dieTrennung des Sittlichen von fremden Beweggründen und durch denWerth, den sie den Gefühlen und Affecten im Gegensätze zur Re-flexion anwies, unverkennbar besitzt, konnte sie doch nicht in allenBeziehungen die Zeitgenossen befriedigen. Besonders darin machtesich eine Lücke fühlbar, dass diese Philosophie die Thatsache dersittlichen Verpflichtung nicht hinreichend begreiflich machte.Je mehr sie bestrebt war, das Sittliche als ein natürliches Erzeugnissder menschlichen Organisation aufzufassen, um so mehr musste ihrder Begriff der Pflicht unter den Händen entschwinden. Wie dasSchöne, mit welchem das Sittliche in nächste Verbindung gebrachtwar, von einer Pflicht des Handelns nichts enthält, so wurde hierhöchstens die befriedigende Wirkung sittlicher Regungen be-greiflich gemacht, nicht aber die tiefe, mit dem ästhetischen Miss-fallen unvergleichbare Unbefriedigung erklärt, welche das Bewusstseinder Schuld begleitet. Die optimistische Weltanschauung des Philo-sophen gab allenfalls Uber die subjectiven Wirkungen des Guten,nicht aber über diejenigen des Bösen Rechenschaft. Hier hattenLocke und die Intellectualisten trotz ihrer mangelhaften psycho-logischen Auffassung doch den praktischen Forderungen mehr ent-sprochen, indem sie auf das subjectiv oder objectiv verpflichtendeGesetz hinwiesen, dessen Verletzung innere und äussere strafendeFolgen nach sich ziehe. Diese Umstände machen es begreiflich,dass jene Moraltheorie einen ihrer Bedeutung entsprechenden An-