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Die neuere Ethik.
Clarke, der von der Naturphilosophie Newtons beeinflusst ist, er-scheint es sogar wie die Abweichung von einem Naturgesetz. Dochbei allen diesen Schwächen hat der Versuch, dem Sittlichen eineobjective Allgemeingültigkeit zu sichern, dem Subjectivismus derLocke’schen Richtung gegenüber seine Bedeutung, und so hat es dennauch noch in späterer Zeit innerhalb der englischen Moralphilosophiean ähnlichen Bestrebungen nicht gemangelt.
c. Shaftesbury und die englische Verstandes™ oral.
Abgesehen von der subjectivistischen und formalistischen Be-gründung der Allgemeingültigkeit des Sittengesetzes, gegen welchedie späteren Intellectualisten sich auflehnen, forderten aber LockesAufstellungen noch in einer zweiten Beziehung, in welcher die-selben mit dem Intellectualismus Ubereinstimmten, den Widerspruchheraus: es war dies die ausschliessliche Zurückführung der sittlichenVorstellungen auf Verstandeserkenntniss. Zwar hatte Locke selbstschon Lust und Unlust als individuelle Motive anerkannt, aber einerAnwendung dieses affectiven Elementes auf das sittliche Handeln warer aus dem Wege gegangen. Hier tritt nun Shaftesbury dereinseitig intellectualen Entwicklung der ganzen bisherigen Ethikentgegen. An ästhetischem Sinn alle seine Vorgänger überragend,ist er der Erste, der auf die Ursprünglichkeit des sittlichen Gefühlshinweist, die eine Ableitung desselben aus der Erwägung über dienützlichen oder schädlichen Folgen einer Handlung unmöglich mache.Jene Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit beweist ihm, dass dasSittliche auf Affecten undNeigungen beruhe, die in der natür-lichen Organisation des Menschen ihre Quelle haben, und die immererst nachträglich zu Gegenständen des Nachdenkens gemachtwerden können, wo dann die sittlichen Urtheile aus ihnen hervor-gehen. Jener ursprünglichen Affecte gibt es nach Shaftesbury drei:1) sociale, die auf das Wohl der Gemeinschaft gerichtet sind; erbezeichnet sie, um ihre innige Beziehung zur menschlichen Naturhervorzuheben, mit einem leicht misszuverstehenden Ausdruck als„natürliche Neigungen“; 2) egoistische, welche nur das eigeneWohl bezwecken; und 3) solche, die weder zum eigenen noch zumallgemeinen Wohl dienlich sind, und die er „unnatürliche Affecte“nennt: hierher gehören Hass, Zorn und die Leidenschaften über-haupt. Die Sittlichkeit besteht ihm nun in dem richtigen Ver-hältniss der socialen und der egoistischen Affecte und