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Die neuere Ethik.
und innerhalb dieser Richtung verbindet er wieder den von Lockeeingenommenen Standpunkt der Reflexion mit der späteren Ge-fühls moral. Indem er endlich den Zweck des Sittlichen indas Gesammtwohl verlegt, kehrt er auf Bacos Anfänge zurückund ist der Repräsentant einer fortan in der englischen Moralphilo-sophie vorherrschend bleibenden Richtung. Da er aber das Gesammt-wohl zwar von der Wohlfahrt der Einzelnen scheidet, anderseitsjedoch eine innige Wechselwirkung beider anerkennt und über dieNatur des ersteren eine zureichende Aufklärung nicht gibt, so bleibtimmer noch die Frage eine offene, ob das Gesammtwohl wirklich imSinne Bacos eine selbständige Bedeutung besitze, oder ob es nichtschliesslich doch, wie Hobbes behauptet, nur in dem Wohl der Ein-zelnen bestehe.
Den bedeutendsten Einfluss auf die Beantwortung dieser Fragegewinnt John Locke, dessen Arbeiten auch in der Ethik wenigersich auszeichnen durch Neuheit der Ideen als durch Besonnenheitdes Urtheils und behutsames Vermeiden extremer, dem gesundenMenschenverstand parodox erscheinender Ansichten. War das letzterebesonders der Fehler von Hobbes, dieses weit originaleren und küh-neren Denkers gewesen, so ist es dessen Einseitigkeit die Lockeüberall zu vermeiden sucht, während er zugleich die von dem car-tesianischen Intellectualismus behauptete angeborene Wahrheit dersittlichen Grundsätze bekämpft, um dieselben wieder mit Hobbes alserworbene Verstandeserkenntnisse zu betrachten*). Während jedochdieser eine solche Entstehung mehr behauptet als wirklich begründethatte, ja sogar in der von ihm angenommenen und auf logischeEvidenz zurückgeführten Allgemeingültigkeit der sittlichen Normeneine Voraussetzung machte, die den Anschauungen jenes Intellectualis-mus verwandt war, bemühte sich Locke eingehend die Angeboren-heit der sittlichen Ideen gerade dadurch zu widerlegen, dass er aufihre individuelle Verschiedenheit und auf den Zweifel, dem sie fort-während begegnen, hinwies. Als letztes Motiv aller sittlichen Hand-lungen betrachtet aber auch Locke die Selbstliebe, die er in ihrerEntstehung und ihren Wirkungen näher nnalysirt**). Indem er sieaus der Fähigkeit Lust und Schmerz zu empfinden ableitet, suchter, ähnlich wie es schon vor ihm Cumberland gethan, die Entstehungsittlicher Regungen aus der Beobachtung der gesellschaftlichen Ver-
*) Essay conceming human understanding, B. I, chap. 3.
**) Ebend. B. TI, chap. 20, 21.