Baco und Hobbes.
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desselben Sittengesetzes aufgefasst, und im Zweifelsfalle wird dasbürgerliche Gesetz den beiden andern übergeordnet. Ferner sind dieMotive des Sittlichen nunmehr näher bestimmt: sie werden indie logische "Reflexion über das Nützliche und Schädliche verlegt;sittliches und logisch richtiges Handeln werden daher einander gleich-gestellt. Ist sonach ganz im Baconischen Sinne die Ableitung desnatürlichen Sittengesetzes eine ausschliesslich psychologische undlogische, so werden nun aber ausserdem zur Erklärung der Ueber-einstimmung des religiösen und des bürgerlichen Gesetzes mit jenemeigentkümliche metaphysische Voraussetzungen hinzugefügt: für dasreligiöse die Annahme, dass es in der Form der Offenbarung dasNämliche enthalte, wozu vernünftige Schlussfolgerung von selbstgelange, für das bürgerliche die Annahme, dass der natürlicheEgoismus einen ursprünglichen Zustand des Kampfes hervorgebrachthabe, welcher wiederum auf dem Wege vernünftiger Ueberlegungdurch die Anerkennung eines obersten Willens beseitigt wordensei. Als der letzte Endzweck des Sittlichen wird der indi-viduelle Nutzen bezeichnet, das allgemeine Wohl nur insofern, alses das Wohl aller Einzelnen in sich schliesst. Damit ist der beiBaco unbestimmt gelassene Begriff des Gemeinwohls näher definirtund zugleich sein Gegensatz zum Einzelwohl beseitigt. Dies ist aberauf Kosten des ersteren Begriffes geschehen, der seine Selbständigkeitvöllig einbüsst, indem er auf eine Summe von Einzelwohlfahrtenzurückgeführt ist.
b. John Locke und der Intellectualismus der Schule von
Cambridge.
Dass eine Ansicht, die in so umstürzender Weise alle bis dahinvon der religiösen Ethik gepflegten Anschauungen beseitigte, unddie sich nicht scheute, offen den Egoismus als die letzte und als dieberechtigte Triebfeder der sittlichen Handlungen hinzustellen, denWiderspruch herausforderte, ist leicht begreiflich. Aber es ist be-zeichnend für die die Zeit beherrschende Geistesströmung, dass diezumeist von theologischer Seite eröffnete Polemik gegen Hobbes zumTheil unter den nämlichen Voraussetzungen steht wie Hobbes’ eigenePhilosophie. Besonders gehört hierher die Annahme, dass die Sitt-lichkeit überall auf der richtigen Einsicht, der recta ratio, beruhe.Diese Annahme ist es, welche ganz und gar die Ethik des CambridgerTheologen Cudworth beherrscht und die ihr eigener Urheber als