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Die neuere Ethik.
Einzelnen gewisse Pflichten gegen die Menschheit überhaupt sowiegegen die besonderen Gesellschaftskreise, in denen er sich befindet,auferlegt sind. Was die Frage betrifft, ob das Einzelwohl oder dasGesammtwohl vorzuziehen sei, so meint Baco, über die Beantwortungderselben könne kein Zweifel entstehen, denn die Natur selbst zeigeden richtigen Weg, indem sie überall, und zum Theil auf Kostendes Einzelnen, die Erhaltung der Gattung und des Ganzen erstrebe.Die echte Tugend besteht ihm daher in dem gemeinnützigenHandeln, und er macht, offenbar nicht ganz mit liecht, der antikenSittenlehre den Vorwurf, sie habe nur das individuelle Wohl im Augegehabt. Nur dadurch sei sie zu der gänzlich verkehrten Ansichtgelangt, das beschauliche Leben jedem andern vorzuziehen, währenddoch umgekehrt das thätige Leben das allein werthvolle sei*).
In diesen mehr andeutend als ausführend gehaltenen Betrach-tungen Bacos treten besonders drei Punkte bedeutsam hervor: erstensdie vollständige Lösung der Moral von der Religion oder die Ver-weltlichung der Ethik, zweitens die ebenso vollständige Trennungderselben von allen metaphysischen Voraussetzungen und dasdafür eintretende Streben psychologische Motive des Sittlichenaufzufinden. wobei jedoch über der Natur dieser Motive noch einegewisse Unbestimmtheit schwebt. Dazu kommt endlich drittens dieVerlegung der Endzwecke des Sittlichen in den allgemeinenNutzen, also die Gleichsetzung des Sittlichen mit dem Gemein-nützigen.
Nach den drei hier angedeuteten Richtungen ist das WerkBacos weitergeführt worden von Hobbes. So sehr sich auch inden absolutistischen Anschauungen dieses Mannes der besondere Ein-fluss der Zeitumstände verräth, unter denen er gelebt, und der poli-tischen Parteistellung, die er eingenommen, so steht er doch in Bezugauf die allgemeinen Grundlagen seines Denkens mit den späterenfreisinnigen Vertretern der Baconischen Richtung auf gleichem Boden.Aber er übertrifft sie alle an eindringender Schärfe des Verstandes.Diese logische Tendenz ist zugleich die hauptsächlichste Ursache derEinseitigkeit seiner Anschauungen. Das Gefühlsleben existirt fürihn nicht. Er möchte, darin der Scholastik verwandt, alles auf dieKlarheit logisch-mathematischer Schlussfolgerungen zurückführen.
*) De dignit. et augment. scient., lib. VII. Sennones fideles, bes. 16, 17,56—59.