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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die christliche Ethik.

Gesetz, gut handelt. Einen nach äusserem Muss zu messendenWertlnmterschied der sittlichen Leistungen gibt es darum nicht.Gott hat den Menschen in die wirkliche Welt gestellt und ihm hierin seinem Beruf, in den Pflichten des Lebens seine Aufgaben zu-gewiesen.

Das Christenthum hatte, abgestossen von der sittlichen Ver-wilderung des untergehenden Heidenthums, als eine weltflüchtige,auf die künftige Erlösung harrende Glaubensgemeinschaft begonnen.Es hatte dann seinen Siegeslauf durch die Welt angetreten. ZurWeltreligion geworden, war es aber unvermeidlich in einen innerenZwiespalt geratlien, der vor allem auf die christliche Ethik ver-hängnissvoll einwirkte. Nur ein w eit lieh es Christenthum, wie dieReformation es geschaffen, konnte Rettung aus diesem Zwiespaltbringen. In diesem Sinne hat die Reformation das Christenthumnicht bloss für die Protestanten gerettet. Auch auf katholischerSeite hat sie, zwar nicht auf das Dogma, wohl aber auf dieherrschenden Lebensanschauungen umgestaltend eingewirkt. Mit dieserreligiösen hängt die ethische Bedeutung der Reformation auf dasengste zusammen. Wie in Luthers Anschauung und Person Glaube undSitthchkeit eins waren, so trat nun an die Stelle jener Hochschätzungdes beschaulichen Lebens, die in der christlichen Mystik zu einervölligen Veränderung der sittlichen That durch das religiöse Gefühlgeführt, die energische Geltendmachung eines werkthätigen Christen-thums, dem die Liebe nicht in der Schwärmerei des Gefühls, sondernin der freudigen Erfüllung der Liebespflicliten bestand. So weistdie reformatorische Ethik energisch darauf hin, dass dem wirklichenLeben mit den Pflichten, die es für den Einzelnen je nach Berufund Lebensstellung mit sich führt, das sittliche Handeln angehört,und dass die edelste Kraft des Menschen nicht die Erkenntniss, nichtdie speculative Versenkung in die religiösen Ideen, sondern derWille ist, der das Gute um seiner selbst und nicht um äussererZwecke willen erstrebt. So sehr auch Luther und nicht wenigeiZwingli und Calvin aus der Tiefe ihres religiösen Gefühls herauswieder der Augustinischen Prädestinationslehre zuneigen, so ist ihnendoch die praktische Willensfreiheit Anfang und Ende alles sitt-lichen Thuns. Denn nicht darum, weil sie dem Gesetz gemäss er-folgt, sondern weil aus freier Wahl das Gute geschieht, ist eine Thatsittlich. So. stellt. die Reformation dem scholastischen Intellectualis-mus, der den Willen der Erkenntniss untergeordnet und das Gewissenals eine urthei'lende und schliessende Thätigkeit geschildert hatte,