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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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305
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Die scholastische Kthik.

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erweiterte sich der Gesichtskreis durch die Kenntniss ferner Länder undVölker. Die mohammedanische Geistesbildung, in vieler Beziehungder abendländischen in jener Zeit überlegen, begann trotz des reli-giösen Gegensatzes ihre Wirkungen zu äussern. Die Schätze derAlexandrinischen Wissenschaft waren seit 'dem 8. Jahrhundert aufdie Araber übergegangen. Mathematik und Astronomie, Arzneikundeund Philosophie waren hier zur Blüthe gelangt, und in der letzterenwar es besonders Aristoteles, dessen System die eifrigste Pflege fand.Diese Ueberreste antiker Bildung wurden vom Beginn des 13. Jahr-hunderts an auch im Abendlande bekannt, und es begann hier,gegenüber der einseitig theologischen Richtung der vorangegangenenJahrhunderte, ein vielseitigerer, auch weltlichen Fragen wieder zu-gewandter Betrieb der Wissenschaft.

Deutlich trägt die Scholastik des 13. Jahrhunderts die Spurenaller dieser Einflüsse an sich. Wie sie das asketische Mönchslebenam höchsten stellt und gleichzeitig für die weltliche Herrschaft derKirche kämpft, so sind in ihren Systemen mystische Contemplationund nüchterne Verstandesübung, eine supranaturalistische Metaphysikund ein freilich nur theoretisches Interesse für empirische Natur-wissenschaft auf das innigste verwoben. Nicht am wenigsten kommtaber dieser innere Zwiespalt der Weltanschauung in der Ethik zurGeltung. Es konnte nicht ausbleiben, dass gerade in ihr jene Ver-weltlichung der Interessen zu Tage trat, welche in der Herrschaftdes Aristotelischen Systems ihren wissenschaftlichen Ausdruck fand.Hatte doch hier der Stagirite den kühnen Schritt gethan, alleethischen Motive von transcendenten Voraussetzungen zu trennen undsie auf Bedingungen des wirklichen Lebens einzuschränken. Dassdie christliche Theologie diesen Standpunkt zu dem ihrigen machte,war ein Ding der Unmöglichkeit. Hier bedurfte also der heidnischePhilosoph, ganz anders als in der Naturphilosophie, wo man sichunbedenklich seiner Führung an vertrauen konnte, der Vermittlungmit den kirchlichen Anschauungen. Der Erfolg war naturgemässeine eklektische, halb religiöse halb realistische Ethik, in deres in Folge dieses gemischten Ursprungs an Widersprüchen nichtfehlte.

Der Hauptträger dieser eklektischen Ethik ist der grösste derTheologen des 13. Jahrhunderts, Thomas von Aquino. In derEintheilung der Tugenden in ethische und dianoetische, in der Hoch-schätzung des beschaulichen Lebens folgt er ganz dem Aristoteles.

Alle jene Tugenden bezeichnet er aber als die natürlichen, undWundt, Ethik. 2. An«. 20