Die christliche lithik.
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12. Jahrhundert die Bedeutung der Gesinnung und des Ge-wissens. Indem er nicht in der äusseren Beschaffenheit der Hand-lung, sondern vorzugsweise in den ihr zu Grunde liegenden innerenMotiven den Unterschied des Guten und Bösen erblickt, lässt er denmystischen Erlöserbegriff zurücktreten hinter dem sittlichen YorbildeJesu, und im Zusammenhänge damit betont er, hierin wie in seinerBegeisterung für das klassische Alterthum dem späteren Humanismusverwandt, energisch den Werth der einzelnen sittlichen Persönlichkeit.
Einen entschiedeneren Ausdruck noch finden diese Versuche einerVerinnerlichung der Ethik gegenüber der das Princip des Gehorsamsvertretenden kirchlichen Macht in der christlichen Mystik. Siesteht theils im Dienste der Kirche, in den die Gebote der Armuthund Demuth an die Spitze ihrer Regel stellenden Bettelorden derFranziskaner und Dominikaner; theils breitet sie in stiller Oppositionoder selbst in offenem Widerstand gegen das hierarchische Systemveranlasst durch einzelne religiös und sittlich tief erregte Männer,sich aus. Es ist der mystische Gehalt des Christenthums selbst, dersich in diesen Vorläufern der Reformation gegen die Verweltlichungder Kirche kehrt. Aber wie schon Augustins Kirchenverherrlichungauf dem Grunde der nämlichen Mystik ruhte, so wurden die dermystischen Beschaulichkeit ergebenen Mönchsorden von nun an dieeinflussreichsten Träger der hierarchischen Idee, so dass noch aufJahrhunderte hinaus der Hauptstrom der christlichen Mystik in denDienst der Kirche gelenkt wurde.
Hier aber verbanden sich nun mit diesen in dem ursprünglichenGehalt des Christenthums gelegenen Bedingungen andere, die dengeistigen Charakter des Zeitalters allmählich von Grund aus ändernmussten. Aus mystischer Ekstase war die Idee der Kreuzzüge ent-sprungen. Doch, wie in diese aus religiösen Motiven hervorgegangenenUnternehmungen weltliche Interessen in steigendem Masse sich ein-mengten, so dienten sie bald der Verbreitung weltlicher Anschauungenauf allen Gebieten. Auf die ritterlichen Streiter um den Besitz desheiligen Grabes warf der ideale Zweck einen verklärenden Schimmer.So ging aus diesen Kämpfen jene Blüthe des Ritterthums hervor,welche mit einem erhöhten Glanz des höfischen Lebens zugleich dieAnfänge weltlicher Wissenschaft und Kunst begründete. Mit dergelehrten Bildung der Kleriker trat die höfische Dichtkunst diesesZeitalters in einen um so erfolgreicheren Wettkampf, als sie zumersten Mal seit dem Untergang der antiken Cultur wieder aus denQuellen des nationalen Lebens und der Volkssprache schöpfte. Dazu