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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Epikureische Ethik.

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für eine zum Schutz und zum Nutzen der Menschen geschaffeneEinrichtung erklären, während doch ihre eigene Lebensregel darinbesteht, sich nicht um den Staat zu kümmern. Denn diesen Sinnhat vor allem ihr Wahlspruch:kitte ßuhcsac (lebe in Verborgen-heit). Diese Inconsequenz ist nur aus jenem kurzsichtigen Egoismusbegreiflich, dem, wenn er für sich die beste Wahl getroffen hat, dasWohl und Wehe der übrigen Menschen gleichgültig bleibt. So fehltdenn auch den Epikureern jedes Interesse für positive politische Auf-gaben. Das Band der Ehe gilt ihnen als eine lästige Fessel. Unterallen Verbindungen bevorzugen auch sie die Freundschaft, unddies ausdrücklich deshalb, weil sie als die freieste mit den meistenVortheilen und mit den geringsten Nachtheilen verknüpft sei. Immer-hin kommt in dem Lob, welches sie ihr spenden, noch einmal derhohe Werth, den das Hellenenthum dem Freundschaftsbunde beilegte,zur Geltung. Betonen ferner auch die Epikureer ähnlich den Stoikerndie Ruhe des Gemüths als eine wesentliche Bedingung der Glück-seligkeit, so gilt ihnen doch nicht wie jenen die Leidenschaft,sondern der Schmerz als das zu vermeidende Uebel. Nicht dieApathie, sondern die Ataraxie, die Schmerzlosigkeit preisen siedaher als den seligen Zustand. Während demgemäss den Stoikerndie Tugend, da sie eben in der Unterdrückung der Leidenschaftenbesteht, als ein um ihrer selbst willen zu erstrebendes Gut gilt, ausdessen Besitz erst die wahre Glückseligkeit entspringt, kehrt bei denEpikureern dieses Verhältniss sich um: Ziel alles Strebens ist dieGlückseligkeit, und die Tugend ist nur das Mittel dieses Ziel zuerreichen. Darum gilt ihnen die Einsicht («ppövfjatc) als die Haupt-tugend, welche zugleich die Quelle aller übrigen sei, unter denennoch der Mässigkeit, als der zur Erhaltung der Schmerzlosigkeit desKörpers und der Seele unerlässlichen, ein hoher Werth eingeräumtwird. So nahe verwandt also auch die Ataraxie der Apathie scheint,so entfernen sich doch beide darin weit von einander, dass bei derletzteren, da in ihr alle Leidenschaften schweigen, auf jedes positiveStreben verzichtet ist, indess bei der ersteren von selbst dem Gegen-satz des Schmerzes, der Lust, ein positiver Werth zugestanden wird.Während die Schmerzlosigkeit uns befähigt, die Lust zu gemessen,lässt nicht minder die Lust uns die Schmerzen vergessen. So tritthier die Ataraxie ganz und gar in den Dienst der Eudämonie.

Durch diese Betonung der Schmerzlosigkeit wird nun aber derEudämonismus der Epikureer ein veredelter im Vergleich zu demroheren der ihnen vorausgegangenen Cyrenaiker. Nur diejenige Lust