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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Stoische Ethik.

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sich gleichgültige Dinge mit sich führen, und indem auf die Be-dürfnisslosigkeit des Weisen, der den Mangel jener äusseren Güternicht empfindet, ein hoher Werth gelegt wird, erscheint die negativeSeite der Moral, die Vermeidung des Uebels, von weit grössererBedeutung, als der positive Inhalt des Tugendbegriffs.

Die Quellen des Uebels sind aber nach den Stoikern die mensch-lichen Leidenschaften, deren sie ebenfalls vier unterscheiden: die Lust,die Begierde, den Kummer und die Furcht. Sie sind Krankheitender Seele, welche nicht bloss, wie Aristoteles und seine Schüler eswollten, gemässigt, sondern völlig ausgerottet werden müssen. Wich-tiger als irgend eine der positiven Tugenden ist daher den Stoikerndie negative der Apathie. Das ideale Bild des tugendhaften Weisen,das sie entwerfen, trägt vor allem diesen Zug von Gleichgültigkeitgegen Schmerz und Gefahr, gegen die Eitelkeit und Ehre der Weltan sich, einer Gesinnung, welcher selbst das Mitleid ferne liegt, daja die Leiden, die unser Mitleid in Anspruch nehmen möchten, garkeine wirklichen Uebel sind. Der stoische Weise ist daher strengegegen andere wie gegen sich selbst. Damit es aber dem Einzelnenum so leichter gelinge, sich jene Seelenruhe zu bewahren, in welcherdas wahre Glück besteht, zieht er sich am besten in die Einsamkeitzurück, wo den Leidenschaften jede Gelegenheit genommen ist, anihn heranzutreten. Ganz anders noch als Aristoteles preist die Stoadas Glück des beschaulichen Lehens. Könige und Staatsmännerkönnen nie wahrhaft gut und glücklich sein. Nur der Zustand desweltflüchtigen Philosophen, der allen Wünschen entsagt hat, undden keine Leidenschaften mehr beunruhigen, ist ein Zustand voll-kommenen Friedens. Droht dennoch etwa ein körperlicher Schmerzihn zu übermannen, so scheidet er lieber freiwillig aus dem Leben,ehe er die Ruhe seiner Seele dahin gibt. So erscheint den Stoikernder Selbstmord zwar nicht geradezu als eine Handlung der Tugend,aber doch um so mehr, je entschiedener bei ihnen eine düstereLebensanschauung die Oberhand gewinnt, als ein lobenswerth.es Aus-kunftsmittel zur Vermeidung des Uebels und als eine Handlung,durch welche der Weise bezeugt, dass ihm das Leben selbst zu dengleichgültigen Dingen gehöre.

Von diesem Gedanken der Weltverachtung ist auch die praktischeMoral der Stoiker erfüllt. Zwar sind sie weit davon entfernt, diesocialen Pflichten gering zu achten: hiergegen würde schon derpantheistische Charakter ihrer Philosophie sich auflehnen, der auchin ethischer Beziehung einen Zusammenhang der Einzelnen mit