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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Stoische Ethik.

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3. Die Stoiker und Epikureer.

Die philosophischen Schulen der Stoiker und Epikureer stehenunter dem Einflüsse der Veränderungen, die sich im politischen Lebennicht weniger wie im sittlichen Bewusstsein vollzogen hatten. Diepolitische Selbständigkeit der Hellenen war verloren gegangen. JenenTugenden des Gemeinsinns, welche einen Hauptinhalt des sittlichenLebens der Vergangenheit gebildet, war damit die Grundlage ab-handen gekommen. Die Eroberungen Alexanders hatten den Gesichts-kreis der nationalen Anschauungen gewaltig erweitert. OrientalischeIteligionsvorstellungen und Sitten hatten ihren Einzug gehalten. Jemehr die Griechen die Schätze ihrer Bildung den andern Völkernmittheilten, um so mehr wurden sie selbst die Träger einer kosmo-politischen Lebensanschauung, welche auf die allgemein humanenPflichten einen höheren Werth legte, damit aber nothwendig zugleichdie sittlichen Interessen des Individuums über diejenigen der staat-lichen Gemeinschaft stellte. Dieser Wandel der Anschauungen findetauch darin seinen Ausdruck, dass in der Philosophie von nun an dieethischen Probleme die herrschende Rolle spielen, eine Tendenzder Philosophie, welche durch die allmählich beginnende Verselb-ständigung der einzelnen theoretischen Wissenschaften, von denenmanche in der Alexandrinischen Periode zu einer hohen Blüthe ge-langten, begünstigt war.

a. Die Stoische Ethik.

Ihre nächsten Anknüpfungen sucht die Ethik der Stoiker inder Vergangenheit, bei Sokrates und bei derjenigen SokratischenSchule, welche nach ihrer Meinung den Grundgedanken des Lebensund der Lehre des Meisters am vollkommensten zum Ausdruck ge-bracht, bei den Cynikern. Dieses Zurückgreifen über die Ent-wickelungen der Platonischen und Aristotelischen Philosophie hinausist bezeichnend nicht bloss für die überwiegende Werthschätzung derEthik, worin man sich Sokrates und seinen unmittelbaren Nach-folgern wieder verwandter fühlte, sondern auch für die persönlicheRichtung, welche die ethische Speculation nahm. Was man an So-krates und selbst an einzelnen seiner cynischen Nachfolger, wie aneinem Diogenes, bewunderte, das war weniger der Inhalt ihrer Lehren,

als das Bild ihrer Persönlichkeit. Je mehr nun das Bestreben derWnnclt, Ethik. 2 . Aufl. 19