Die Platonische Ethik.
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die Erziehung der Jugend in die Hand gegeben ist; den Stand derKrieger, welcher den Schutz des Staates nach aussen zu sichern hat;und endlich den Stand der Landbebauer und Gewerbetreibenden,welchem die niederen, für die Nothdurft des Lebens zwar unerlässlichen,aber an sich nach der Meinung des aristokratischen Philosophenethisch werthlosen Beschäftigungen obliegen. Diesen drei Ständenentsprechen drei Haupttugenden, zugleich die Bethätigungenjedes der drei Theile der Seele: die Weisheit, die Tugend derVernunft, die Tapferkeit, die Tugend des muthigen Seelentheils,des ■8-op.dc, die Besonnenheit, die Tugend des begehrenden Seelen-theils, der e7Ei{)'0|jia. Diese Tugenden sind aber ebenso wenig wiedie ihnen entsprechenden Theile der Seele absolut getrennt zu denken.Zwar kann von den niederen Ständen nicht die höhere, wohl abermuss von den regierenden zugleich jede der niederen Tugenden ver-langt werden. So entsteht durch die Vereinigung dieser drei Tugendenin ihrem richtigen Massverhältnisse die vierte, die Gerechtigkeit.Sie ist es, auf deren Bethätigung ganz und gar die Erhaltung derStaatsordnung beruht; denn sie sorgt dafür, dass die einzelnen Theile,jeder auf seinem besonderen Gebiete und nach seiner besonderenTugend, harmonisch zu einem Ganzen sich fügen*).
Der hervorstechende Zug dieser Ethik ist die Hintansetzungder individuellen sittlichen Zwecke gegenüber den allgemeinen,politischen. Zwar betrachtet Plato den Staat nicht minder alsdas Hülfsmittel, welches namentlich durch die Erziehung auch denEinzelnen zur Tugend gelangen lasse; aber über dieser individuellenAufgabe steht ihm doch der Staat selber, da nur er, niemals derEinzelne die volle Harmonie der Tugenden erreichen kann. Dieserdas Politische so überwiegend betonende Aushau seiner Ethik musstenotwendig mit seinen eigenen früheren Darlegungen, in denen inSokratischer Weise der Standpunkt der individuellen Moral vorwaltet,in einen gewissen Widerstreit gerathen. In der That wird nun diefrüher betonte Einheit der Tugenden aufgegeben. Da der Einzelnefast nur noch als dienendes Glied des Ganzen erscheint, so kann esgenügen, wenn er nur eine der Tugenden, diejenige, die geradeseiner Lebensstellung entspricht, in sich entwickelt. Darin alleinbleibt auch hier noch jene Einheit gewahrt, dass bei den Lenkerndes Staates, den Philosophen, alle Einzeltugenden verbunden seinsollen. An die Stelle der früher behaupteten Identität ist so die
*) Rep. IV.-YI.