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Die antike Ethik.
die Uebermacht gewinnen konnte, so ist dies vielleicht in ersterLinie dem lebendigen Gefühl für die ethische Macht des Schönenund der Ueberzeugung zuzuschreiben, dass die schöne Idee der sinn-lichen Form zu ihrer Bethätigung nicht entbehren könne. Unterdem mässigenden Einfluss dieser Ueberzeugung steht daher diesittliche Lebensanschauung seiner reiferen Jahre, wie sie vor allemin seinem grössten ethischen Werke, in der „Republik“, nieder-gelegt ist.
Wohl bleibt auch hier der Grundgedanke der Ideenlehre dervorwaltende, dass die Sinnenwelt in einem übersinnlichen rein geistigenSein ihren bleibenden Hintergrund habe, an welche die Seele einedunkle Erinnerung in sich trage, und in welche sie als in ihreHeimath wieder zurückstrebe. Aber die sinnliche Welt ist zugleichein Bild der Ideenwelt, und sie wird dies um so mehr, je mehr esdem von der Weisheit geleiteten sittlichen Handeln gelingt, die Ideedes Guten, diese herrschende unter den Ideen, in die Wirklichkeitüberzuführen. Indem der Mensch dies vollbringt, gleicht seineThätigkeit der des Weltschöpfers, der, selbst eins mit der Idee desGuten, die Natur in ihren verschiedenen Gestaltungen hervorgebrachthat, indem er die Ideen an ihnen Theil nehmen liess, wie dies Platoin seinem naturphilosophischen Werk, dem „Timäus“, in mythischerForm ausführt. Wie aber die herrschende Idee des Guten hier nichtin einer einzelnen Naturgestaltung, sondern nur in dem Zusammen-hang des Weltganzen zu ihrer Verwirklichung gelangt, so ist auchder Mensch in der beschränkteren Sphäre seines sittlichen Handelnsnicht als Einzelner, sondern nur als Gesammtheit, im Staate, be-fähigt, das Gute hervorzubringen. Nach dem Masse, in welchem eingegebener Staat diesen Zweck zu erreichen vermag, bestimmt sichsein sittlicher Werth. Von diesem Gesichtspunkte aus zeichnet Platoin seiner Republik ein Staatsideal, indem er diejenigen Staats-einrichtungen erörtert, die nach seiner Ueberzeugung jenem Zweckam vollkommensten entsprechen. Und hier wird ihm nun die Welt-schöpfung und besonders die Schöpfung des Menschen ein Vorbild derdurch den Menschen hervorzubringenden Staatsschöpfung. Wie diemenschliche Seele in drei Theile geschieden ist, in die erkennende,die fühlende und die begehrende, von denen die erste die HerrschaftUber die beiden letzteren führen soll, so soll der Staat in drei denSeelentheilen entsprechende Stände geschieden werden: in den Standder Regierenden, welchem, als dem Träger des Vernunftprincips, diePflege der Gerechtigkeit, die Obhut über die Staatseinrichtungen und