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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die antike Ethik.

Gegensatz, in den sie hierdurch treten, ist deshalb von grosser Be-deutung, weil er in den ethischen Problemen selbst seinen Ursprunghat und daher unter den verschiedensten Gestalten später immerwiedergekehrt ist. Insbesondere sind in dieser Beziehung die Cynikerund Cyrenaiker die nächsten Vorläufer der später gekommenenStoiker und Epikureer.

Im Gegensätze zu diesen einseitigen Sokratikern, die sich anvereinzelte Worte und Tliaten festklammern, ist es Plato, der, inden Geist des Sokratischen Denkens eindringend, das unausgesprocheneWort des Meisters zum Bewusstsein erhoben und die Lebensthatdesselben in seinen Werken zum Ausdruck gebracht hat.

2. Plato und Aristoteles.

a. Die Platonische Ethik.

Platos Philosophie ruht ganz und gar auf dem Grunde derEthik. Von ethischen Anschauungen und Forderungen ist auch seinetheoretische Weltansicht bestimmt. Auf den Sokratischen Satz sichstützend, dass Tugend Wissen sei, betrachtet er als seine Aufgabe,den sittlichen Begriff des Guten zum Mittelpunkte einer Alles um-fassenden Weltanschauung zu erheben. Hier entsteht aber vor allemdie Frage, wie der Begriff des Guten selbst zu bestimmen sei, eineFrage die Sokrates nicht beantwortet hatte, da er nur bemüht ge-wesen war denselben an einzelnen Beispielen aufzuzeigen. Mitdieser Frage beschäftigen sich die frühesten Platonischen Dialoge.Ihre Beantwortung bewegt sich innerhalb der nationalen Anschau-ungen. Die Tapferkeit, die Gerechtigkeit, die Frömmigkeit und vorallen die masslialtende Besonnenheit, die Plato als die vorzüglichstenTugenden hervorhebt, galten ja allgemein dem Griechen als solche.Auch in der Auffassung der Motive dieser Tugenden entfernt er sichzunächst kaum von seinem Vorbilde, indem er im einzelnen nach-zuweisen sucht, dass das tugendhafte Handeln glückbringend undnützlich sei*). Nur darin verrätli sich von frühe an sein universellerphilosophischer Standpunkt, dass er eine innere Verschiedenheit dereinzelnen Tugenden nicht anerkennt, sondern der Einheit des Wissensentsprechend auch die Einheit der Tugenden behauptet**). Keine

*) Protag. 36, 354-359.

**) Ebend. 18, 329 ff.