Die vorsokratische Ethik.
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und dem Atomistiker Demokrit nur vereinzelte ethische Maximen*).Immerhin mag man darin, dass Heraklit in dem Vertrauen auf diegöttliche Weltordnung die Quelle aller menschlichen Zufriedenheiterblickt, und dass Demokrit dagegen die Heiterkeit und Ruhe desGemüths für die wahre Glückseligkeit erklärt, das erste Wetter-leuchten feindlicher Richtungen erblicken, die sich später bekämpfen ..sollten.
So ist es denn bezeichnend für die Entwicklung der Ethik, dass.idiese nicht wie andere Wissenschaften, wie insbesondere auch dieNaturphilosophie, mit positiven Lehrmeinungen beginnt, sondern dassdie ersten Schritte die sie thut in der Verneinung, in der Zer-störung der vorhandenen Sittlichkeitsbegrilfe bestehen. Hatten dievorangegangenen Philosophen schon an der Volksreligion gerüttelt, sobegannen die Sophisten die an diese gebundenen sittlichen Vor-stellungen in Frage zu stellen. Die Sophisten haben ihrer eigenenZeit bekanntlich fast weniger Anstoss gegeben durch das was sielehrten, als durch die Art wie sie lehrten. Dass sie als die Erstendas Wissen wie einen banausischen Beruf um Lohn betrieben, warein Verstoss gegen die Volkssitte. Dass sie diesen Verstoss, der inden Augen der heutigen Zeit kein solcher ist, begingen, ist aberbezeichnend auch für den Inhalt ihrer Leimen, in welchem sieirgend eine allgemein gültige Norm des menschlichen Handelnsnicht anerkennen, sondern behaupten, dass die Motive desselben ledig-lich subjective und eben darum schwankende seien, gerade sowie das menschliche Wissen subjectiv sei und veränderlich. Trotzdieser verneinenden Stellung lassen darum die Sophisten einen Zu-sammenhang ihrer theoretischen und praktischen Lehren erkennen,welchen die älteren Philosophen noch kaum besassen. Gibt es keinallgemeingültiges Wissen, so gibt es auch keine allgemeingültigensittlichen Grundsätze. Der Mensch, und zwar der einzelne Menschmit seinen individuellen Meinungen und Wünschen, ist hier wie dortdas Mass der Dinge. In der That fehlt es aber auch nur schein-bar dieser Ethik an einem moralischen Princip. Mit der Aufhebungallgemeingültiger Grundsätze bleibt eben als ein solches der Egois-mus übrig, den die Sophisten in ihrer eigenen Lebensführung be-thätigten, indem sie ihr Wissen und ihre rhetorische Kunst für sichselbst nutzbringend anwandten, und indem sie den Anforderungen,
*) Vgl. über dieselben M. Heinze, Der Eudämonismus in der griechischenPhilosophie, Abh. d. säohs. Ges. d. Wiss., phil.-hist. CL, VIII, S. 694 ff.