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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
Entstehung
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Das sittliche Leben und die sittlichen Weltanschauungen.

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liehen sucht sie den der Tugend und der Pflicht abzuleiten. Darumist sie vor allem Güterlehre, und in der Frage nach dem Wesendes sittlich Guten, nach seinem Verhältniss zu andern Güterntrennen sich ihre Hauptrichtungen.

Die sittliche Weltanschauung des Alterthums ist für uns voll-ständig enthalten in der Ethik der beiden klassischen Völker, derGriechen und Römer. Bei den Griechen hat die Selbstbesinnung überdas Sittliche ihren Ursprung genommen. Die Römer, auf dem Ge-biet der ethischen Reflexion ganz und gar die Schüler der Griechen,haben dagegen durch ihren Sinn für das Nützliche und Gemein-nützige und durch ihr hoch entwickeltes Rechtsgefühl den Anwen-dungsgebieten der Ethik in Sitte und Recht mächtig vorgearbeitet.Erst als die antike Cultur ihrem Ende sich zuneigte, beginnen diesittlichen und religiösen Anschauungen des Orients einen tiefer ge-henden Einfluss auszuüben. Unter diesen Einwirkungen ist der An-theil, den das Judenthum an der Entstehung der christlichen An-schauungen nimmt, der äusserlicli hervortretendste. Zu allen diesenElementen aber, welche die Bildung der Zeit mit sich führt, kommtdann als das Gewaltigste die Macht einer sittlichen Persönlichkeit,die, wie sie selbst die Schranken nationaler Sitte überwunden hatte,so auch der von ihr getragenen Lebensanschauung die Kraft ver-lieh alle Widerstände zu beseitigen, die abweichende Abstammungund Ueberlieferung ihr entgegenstellten. So ist denn die christlicheEthik nicht nationale, sondern humane Ethik. Die Weltanschau-ung der Neuzeit endlich hat diese allgemein humane Tendenz zubewahren gesucht während sie die religiöse und dogmatische Ge-bundenheit allmählich beseitigte. Wie jedoch die neuere Culturüberhaupt an die Stelle der Gleichförmigkeit des Wissens und desGlaubens wieder die nationale Mannigfaltigkeit setzt, die aber nun,im Unterschied von der antiken Welt, in dem Verkehr der Nationenihr Gegengewicht findet, so nimmt auch die neuere Ethik mannig-faltigere, zugleich durch nationale Eigenthümlichkeiten bedingte Ge-staltungen an, ohne dass solche Vielheit der Richtungen auch aufdiesem Gebiete den Zusammenhang der Culturarbeit hindern könnte.