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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die geistige Cultur.

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schaft feindlichen Bestrebungen aufsuchen, mit sich bringt dieungeheure Schnelligkeit, mit welcher der moderne Verkehr materielleGüter wie Gedanken in Umlauf setzt, übt an und für sich schonauf Jeden eine zerstreuende Wirkung aus, so dass die moralischeKraft, deren der Einzelne bedarf um sich auf die Verfolgung be-stimmter Lebensziele zu richten, vielleicht eine grössere ist als ehe-dem, während zugleich theils die öffentliche Pflicht theils der eigeneLebensberuf eine gewisse Aufmerksamkeit für alle jene unzähligenAngelegenheiten verlangt, die das allgemeine Interesse beschäftigen.Nimmt man hinzu, dass überall die geistige Production mindestensdem Umfang nach gewachsen ist, und dass die Hülfsmittel, die denneuen geistigen Erwerb bald in die zunächst dabei betheiligten baldaber auch in die weitesten Kreise verbreiten, unendlich geschäftigersind als früher, so wird man sich der Ueberzeugung nicht ver-schliessen, dass das Leben für den modernen Menschen zwar imeinzelnen leichter, im ganzen aber um vieles schwerer geworden ist.Es stellt ihm grössere Aufgaben, und es stellt an ihn grössereForderungen selbst ausserhalb der ihm zunächstliegenden Lebens-ziele. Ein Mass von Kraft, das ehedem dem Mittel der Ansprüchegenügen mochte, kann heute unter der Last derselben zusammen-brechen. Gleichwohl lassen diese Schatten der Cultur den Wunschnicht aufkommen, dass das Werk derselben ungethan gebliebenwäre. Wie für den Einzelnen grosse Unternehmungen nicht mög-lich sind ohne grosse Gefahren, so ist die Cultur kein Gut, dasAllen die von ihm berührt werden auch unmittelbar reife sittlicheFrüchte bescheert, sondern dieses Gut setzt nur in den Stand imGuten wie im Schlimmen mehr zu erreichen, als ohne dasselbe er-reichbar wäre.

e. Die geistige Cultur.

In dieser Beziehung steht mit der Entwicklung der Besitzver-hältnisse, der technischen Hülfsmittel und des Verkehrs auf einerLinie der von ihnen bestimmte letzte Factor der Cultur, der dieEffecte aller andern zusammenfasst, die geistige Cultur. Je all-gemeiner die intellectuelle Bildung ist, je mehr ein gewisses Massderselben zur Forderung wird, die nicht nur der Einzelne an sichselbst, die Familie an ihre Glieder, sondern sogar der Staat an seineBürger stellt, um so mehr wird dadurch das hauptsächlichste Hinder-niss beseitigt, welches der praktischen Humanität die thatsächlicheWundt, Ethik. 2. Aufl. 17