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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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254 Die Natur- und Culturbedingungen der sittlichen Kntwiekhmg.

eine frühere Zeit nicht ohne eine fortwährende Bethätigung intellec-tueller Kräfte auszuführen vermochte. Unsere Maschine sucht nichtbloss die Muskelkraft sondern auch die Intelligenz des Handwerkerszu ersetzen. Die unzähligen kleinen Summen geistiger Arbeit, diedas alte Handwerk in der Einzelproduction verausgabte, werdendurch jenen einmaligen Act erfinderischer Leistung erspart, der sichin der Construction der Maschine bethätigt. Dadurch ist die Einzel-arbeit des Menschen wieder auf die rein mechanische Stufe herab-gedrückt, nur dass gegen früher diese mechanische Leistung selbst aufdas kleinste Mass beschränkt wurde. Die Intelligenz und Kraft einesKindes, das auf wenige leichte Handgriffe eingeübt ist, können unterUmständen eine schwierige technische Leistung zu Stande bringen. Un-vermeidlich steigt und sinkt aber nicht nur der äussere Werth son-dern auch die sittliche Schätzung der Arbeit mit der Höhe in-dividueller Leistungsfähigkeit, die zu ihr erfordert wird. In demtechnischen Fortschritt der Cultur liegt daher die schwere Gefahreines gewaltigen sittlichen llückschritts. Hat das arbeitende Thierdereinst den Unterdrückten aus der Sclaverei befreit, so droht dieMaschine den Besitzlosen wieder zum Sclaven zu machen. DieserGefahr kann nur derjenige sein Auge verschliessen, der die Schlägenicht merkt die den Rücken des Andern treffen. Aber verkehrtwäre es freilich, auch hier Hülfe zu hoffen, indem man den vergeb-lichen Versuch machte das Rad der Weltgeschichte wieder rückwärtszu drehen. Die Gefahren, welche die Cultur mit sich führt, kannnur der weitere Fortschritt der Cultur wieder beseitigen. Zum Theilmag hier die Hülfe von der Vervollkommnung der technischenWerkzeuge selbst kommen, die, indem sie die Aufgabe der Ent-lastung von mechanischer Arbeit vollenden, der Bethätigung jenerintellectuellen Kräfte um so freieren Raum lassen, die niemals durchtodte Werkzeuge zu ersetzen und daher niemals in ihrem Wertheherabzudrücken sind.

In einer, freilich äusserlichen Richtung hat dieser ihre eigenenNachtheile ausgleichende Einfluss der Technik längst schon be-gonnen: in dem umfassenderen materiellen und geistigen Ver-kehr, der sich durch die maschinenmässige Verwendung der be-wegenden Naturkräfte entwickelt, besteht sicherlich ein befreienderFortschritt. Das Beste aber wird auch hier der sittlichen Ge-sinnung zu thun bleiben, wie sie theils in dem freien gesellschaft-lichen Verhältnisse der Menschen zu einander theils in der Gesetzgebungsich bethätigt. Sind doch auch jene älteren Formen sittlicher Gebunden-