24H Die Natur- und Culturbedingungen der sittlichen Entwicklung.
nicht bedeutungslos, dass dieser Uebergang der mythologischenin die ästhetische Naturanschauung mit der ersten Erkenntnissphysischer Weltgesetze zusammenfallt. Indem diese die mythologischeAnschauung unwiederbringlich zerstört, steigert sie zugleich dieErhabenheit des Bildes, das sich der ästhetischen Betrachtungdarbietet.
Dennoch brachte die wissenschaftliche Vertiefung in die Natur-probleme unvermeidlich zugleich eine Gefahr mit sich, die bald dererhabenen Naturanschauung die sie gewährte entgegemvirkte: dieseGefahr entsprang aus der ver standesmässigen Betrachtung derNatur, welche allmählich auch die Wirkung auf den Betrachtendenin ihrem Sinne umgestalten und so jenem ethischen Eindruck, dendas Ganze der Naturordnung dereinst auf das menschliche Gemüthausgeübt, ein Ende bereiten musste. Wie an die erste wissenschaft-liche Erfassung der Gesetzmässigkeit der Weltordnung der TJeber-gang der mythologischen in die ästhetisch-religiöse Betrachtung, soist daher an die exactere Entwicklung der Naturwissenschaft derallmähliche Untergang auch dieser späteren noch immer den ob-jectiven ethischen Werth der Natur anerkennenden Auffassung ge-knüpft. Die Natur hört darum nicht auf, durch die ästhetischenWirkungen die sie hervorbringt auch ethisch zu wirken; aber sieentfaltet diese Wirkungen nur durch die ethischen Gedanken, diedas dichterisch gestimmte Gemüth willkürlich in sie hineinlegt; unddieses ist sich seines Thuns mindestens insofern bewusst, als es anden objectiv ethischen Gehalt der Naturerscheinungen selbst nichtmehr glaubt. Die Zeit hat aufgehört, wo zwar der mythologischeInhalt der Naturanschauung verloren gegangen, dafür aber derreligiöse in einer um so reineren, weil ausschliesslich ästhetischenForm erhalten geblieben war. Die Natur ist jetzt nicht bloss ent-göttert, sondern auch entgöttlicht: sie spiegelt, wie in der mytho-logischen Periode, in allen ihren Gestaltungen nur menschlicheGefühle und Leidenschaften wieder, aber sie spiegelt sie als mensch-liche und darum kann die Phantasie hier, wie auf der vorange-gangenen Stufe, frei sich bethätigen, ohne an überkommene Vor-stellungen gebunden zu sein.
Mit dem mythologischen Denken hat so diese letzte Stufe dieliebevolle Vertiefung in das Einzelne, mit der unmittelbar vorange-gangenen hat sie die subjective Freiheit des Geistes gemein. Ueberbeiden steht sie dadurch, dass der Mensch in der Natur nur sichselbst wiederfindet. Er sucht sie auf, um in seinem eigenen Wesen