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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Entwicklung des Naturgefühls.

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sammtwirkung. Wenn man daher vom philosophischen wie vomreligiösen Standpunkte aus die Unvollkommenheiten dieser Stufe, denMangel intellectueller Cultur und selbstloser Religiosität hervorhebt,so sollte darüber nicht vergessen werden, dass das sittliche Gefühlebenso wie das Gefühl für das Schöne auf dem Boden des Mythusentstanden ist und, soweit wir die menschliche Natur kennen, auchnur entstehen konnte.

Der erste Schritt zu einem Wandel dieser Anschauung voll-zieht sich, indem nicht mehr, wie im ursprünglichen Mythus, natür-liche und sittliche Weltordnung mit einander verschmelzen, sondernindem die äussere Ordnung der Dinge nur noch als ein Symbol oderauch als ein sinnenfälliges Zeugniss der inneren sittlichen Ordnungdes Lebens erscheint, ein Schritt der mit der Umwandlung derNaturgötter in sittliche Mächte unmittelbar zusammenfällt. Das be-freite Naturgefühl, das nun um so inniger die Verwandtschaft äussererEindrücke mit den inneren Seelenstimmungen sympathetisch empfindet,ist darum jener Scheu vor gewaltsamen Veränderungen der Natur-ordnung keineswegs ledig geworden. Ja der Uebergang der mytho-logischen in die ästhetische Stimmung macht, wie die Verwandt-schaft mit den eigenen Gefühlen, so auch die vorbildliche ethischeBedeutung der Naturordnungen nur zu einer um so tiefer empfun-denen. Aus der selbst entgötterten Welt ist darum der göttlicheHauch nicht gewichen. Er ist nur allgegenwärtiger, freier vonäusserlicb überkommenem, aber innerlich nicht nachempfundenemGlauben geworden. Noch wird in Wahrheit die Natur selbst alsein Göttliches empfunden; nur die einzelnen Naturgegenstände hörenauf als menschenähnliche Götter zu gelten. Die religiöse Bedeutungdieser Anschauung tritt überall bei den Dichtern und Philosophender classischen Zeit, am sprechendsten aber im Platonischen Timäus,diesem vollendeten Beispiel einer das Mythische zu ästhetischerSymbolik erhebenden philosophischen Dichtung, hervor. In der Welt-ordnung hat die schöpferische Gottheit das Sittengesetz verkörpert.Die Natur wird daher bewusster denn früher als Versinnlichung desGöttlichen, das selbst wieder mit dem sittlich Guten eins ist, erfasst;und sie vermag um so mehr durch diesen Gedanken, der in sie ge-legt wird ästhetisch erhebend zurückzuwirken, da sie der menschen-ähnlichen Beweger ledig geworden ist, die in ihrer gesetzlosen Will-kür allzu sehr Ebenbilder menschlichen Lebens waren, als dasssie sich überall zu Vorbildern desselben geeignet hätten. Es ist