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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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242 Me Natur- und Culturbedingungen der sittlichen Entwicklung.

keit verlor, bemächtigte sich nun das menschliche (teniUth derselben,um seine inneren Zustände in ihr wiederzufinden. Der Trieb dieeigenen Gefühle nach aussen zu tragen, um sie dann wieder auf sichwirken zu lassen, bleibt so dieser ganzen Entwicklung gemein. Nurist er auf der mythologischen Stufe ein unbewusster, so dass demMenschen die Gefühle die sein Inneres bewegen aus der Naturals fremde und doch verwandte Wesen entgegentreten. Nachdemder Zauber dieser der lebendigen Wirklichkeit gleichgestellten Vor-stellungen allmählich verblasst ist, bietet sich gleichwohl die Ver-wandtschaft der Gefühlswirkungen gewisser Naturerscheinungen mitselbständig entstandenen Seelenstimmungen noch ungesucht dar; janur um so freier betlnitigt sich diese Verwandtschaft, da sie sichdes Zwangs bestimmter mythologischer Verkörperungen entledigt hat.In natürlichen Gleichnissen und Bildern fliesst nun dem Dichter ausder Natur ein Reichthum sinnlicher Verkörperungen eigener Ge-müthsbewegungen zu, wobei zugleich das Einzelne die mannig-faltigsten Bedeutungen annehmen kann, je nach den besonderenBedingungen der Seelenstimmmung und den wechselnden Verbindungen,deren die Eindrücke fähig sind. So entledigt sich das ästhetischeNaturgefühl der Fesseln, die ihm die mythologische Vorstellung auf-erlegte, um in jedem Augenblick nach freiem Bedürfnis» mythischeAnschauungen hervorzubringen, die mit dem seelischen Zweck, demsie gedient haben, vergehen und neuen Bildungen Platz machen.Auf jeder dieser Stufen übt aber der Eindruck der Natur ethischeWirkungen aus, die eine ähnliche Entwicklung wie die ihnen zuGrunde liegenden Gefühle zurücklegen.

Das. mythologische Naturgefühl, dem die Naturer-scheinungen vollkommen gegenständlich gewordene innere Triebesind, gewinnt aus der Anschauung der unabänderlichen Regelmässig-keit der Naturvorgänge für die ähnlich gesetzmässige Normirung dereigenen Lebensverrichtungen eine mächtige Anregung, welche derdurch die physischen Bedürfnisse selbst geforderten Regelmässigkeitdes Lebens zu Hilfe kommt (vgl. Cap. III, S. 140). Mit demäusseren Zwang verbindet sich so ein inneres Gemüthsbedürfniss.das sein eigenes Thun als ein dem Naturprocess verwandtes auf-fasst. Das Göttliche, das der Mensch in die Natur verlegt, nimmter wieder aus ihr, indem ihm die Handlungen der Götter als Vor-bilder menschlichen Thuns erscheinen. So werden ihm die Ordnungender Natur zu Vorbildern geordneter menschlicher Sitte, und der