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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die natürlichen Lebensbedingungen.

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Felle der erlegten Thiere gewähren die nothdürftigste Kleidung, dasHolz der durchstreiften Wälder liefert die Hütte, die als Obdachdient. Die Gefahren, die der stete Kampf mit den ^hiere 11 und derleicht sich daraus entwickelnde Kampf mit fremden Stammesver-bänden mit sich bringt, fördern das Gefühl der Treue gegen den Ge-nossen und machen, im Verein mit der Abhärtung, der Gleichgültig-keit gegen Schmerz und Gefahr, Züge heroischer Aufopferung zueiner nicht ungewöhnlichen Erscheinung. Dabei stählt die Gewohn-heit einsamen Auflauerns auf das zu erspähende Wild die Beharr-lichkeit und macht zugleich abhold geräuschvollem Verkehr. Aus-dauer, Festigkeit, Treue, Verschlossenheit, Gleichmuth in den Wechsel-fällen des Schicksals sind daher die ethischen Charakterzüge,die unter solchen Bedingungen die Natur dem Menschen aufge-prägt hat.

Eine Stufe höher steht das Leben des Nomaden. Zwarzwingt ihn seine Lebensweise mehr noch als den Jäger zu einemWandern ohne festes Obdach, da die Nahrung der Viehherden, dieihm seinen Unterhalt liefern, schneller erschöpft ist als das Wilddes Jagdbezirks, der die Hütte des Jägers umgibt. Weit ausge-dehnte Steppenlandschaften, wie sie die nomadisirenden Mongolen-stämme Centralasiens durchstreifen, erscheinen daher von der Naturvorausbestimmt zur Nomadenwirthsckaft. Aber diese letztere be-dingt zugleich ein dauernderes Zusammenleben und eine festereVerbindung der Genossen, während sich unter ihrem Einflüsse aus-gedehntere Handels- und Verkehrsverhältnisse entwickeln. Die sitt-lichen Vorzüge einer solchen Cultur bleiben nicht aus. Währenddie Treue gegen den Stamm und namentlich der Gehorsam gegenden Vorgesetzten die hauptsächlich gepflegten socialen Tugendensind, gegenüber denen die mehr individuellen sittlichen Eigenschaftender vorangegangenen Stufe, die Verschwiegenheit, der Heroismusim Unglück, zurücktreten, entwickeln sich gleichzeitig List, Ver-schlagenheit, Betrug und Lüge als die niemals ausbleibenden Nach-theile eines friedlichen Verkehrs zwischen verschiedenen, zum Theileinander stammesfremden Völkern.

Die dritte und höchste Stufe innerhalb dieser durch die Einflüsseder Naturumgebung bestimmten primitiven Entwicklung wird erreichtdurch die Anfänge des Landbaus. Hier erst wird die Arbeitzu einer strenger geregelten, anhaltenderen. Zugleich wird derMensch an den Boden gefesselt, den er bebaut. Eine ausgebildetereund stabilere staatliche Organisation, ein geregelterer Verkehr ver-