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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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238 Die Natur- und Culturbedingungen der sittlichen Entwicklung.

geist das Leben vor äusseren Gefahren sichert und es unabhängigermacht von der Gunst und Ungunst der Bodenbeschaffenheit und desKlimas. Dagegen wachsen die geistigen Wirkungen, welche die Naturdurch ihren unmittelbaren Eindruck auf das menschliche Gefühl hervor-bringt, in dem Masse, als die geistige Bildung die Empfänglichkeitverstärkt. Hierdurch geschieht es, dass beiderlei Bedingungen ingewissem Grade einander ablösen: auf den Naturmenschenwirkt die Natur fast nur in der Form der natürlichen Lebensein-flüsse, auf den Culturmenschen wirkt sie ausserdem durch dasMedium des ästhetischen Natursinns.

a. Die natürlichen Leb ensbedingnngen.

Ihre frühesten und fühlbarsten Einwirkungen übt die Naturdurch die Anforderungen aus, die sie an die körperliche und geistigeLeistung des Einzelnen stellt, indem sie ihn in die Nothwendigkeitversetzt durch Arbeit sein Lehen zu fristen. Keinen Fluch gibt es,der zu so reichem Segen geworden wäre wie jener Fluch derbiblischen Schöpfungssage:Im Schweisse deines Angesichtes sollstdu dein Brod essen. Wenn der Mensch ein sittliches Wesen ge-worden ist, so verdankt er dies nicht zum wenigsten der Thatsache,dass die Erde für ihn kein Paradies ist. Bedarf es eines äusserenZeugnisses für diese Wahrheit, so liegt dasselbe vor allem in derErfahrung, dass, wo der Mensch mühelos von den Erzeugnissen derNatur sein Leben fristet, wo gleichzeitig das Klima Bekleidung undObdach nicht dringend erforderlich machen, wie auf vielen der Süd-seeinseln, unter allen Elementen der Cultur die sittlichen ammeisten verkümmert geblieben sind. Nicht dort wo die Natur Jedemin Fülle gibt was er bedarf, sondern wo die harte Noth des DaseinsJeden zum feindlichen Mitbewerber des Andern macht, haben dieTugenden des Mitleids und der thätigen Mithülfe sich entwickelt.Aber auch in den besonderen Richtungen, welche'die sittliche Culturgenommen, verrathen sich überall die Einflüsse, die die Naturum-gebung auf die Lebensführung ausübt.

Die niederste Stufe innerhalb der primitiven Cultur des Natur-menschen nimmt das Leben des Jägers ein, wie es der Urein-wohner Nordamerikas überall führte und zum Theil heute noch führt.Zumeist ohne festere Wohnsitze erlegt der Jäger das Wild, das seinLeben fristet, wo er es finden kann. Für die Zukunft zu sorgen,verbietet die Natur dieses dem Augenblick dienenden Erwerbs. Die