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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Gastfreundschaft.

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glied zwischen dem durch die engsten Naturbedingungen hergestelltenVerbände der Stammesgenossenschaft und dem in der allgemeinenmenschlichen GattungsVerwandtschaft begründeten Verbände der Hu-manität. Die Philia wird zur Vorstufe der Philanthropia, indem jeneden Nebenmenschen nicht mehr um seiner Blutverwandtschaft oderum der Gewohnheit des gemeinsamen Lebens willen, sondern wegenseiner allgemein menschlichen Eigenschaften schätzen lehrt. Dennochbleibt ein Hinderniss, welches der Entwicklung dieser letzten undhöchsten Stufe sittlich-socialer Verpflichtung lange Zeit im Wegesteht, und welches durch die Freundschaft als solche nicht über-wunden wird: dieses besteht in dem natürlichen Widerstreben,

das der Mensch gegen alles Fremdartige, und das er so insbesondereauch gegen den in Sprache, Sitte und äusserem Habitus fremdartigerscheinenden Nebenmenschen empfindet. Hier tritt nun ein anderesVerhältniss vermittelnd ein, welches als vorbereitendes für die Ent-stehung der Humanität auf früheren Culturstufen eine grosse Rollespielt, während es später, nachdem es seine Mission erfüllt hat, ver-schwindet oder eine völlig andere Bedeutung gewinnt. Dies Ver-hältniss ist die Gastfreundschaft.

c. Die Gastfreundschaft

Schon unser WortGastfreund schliesst. eine Wortverbindungin sich, welche auf eine Veränderung des sittlichen Bewusstseins derZeiten hin weist. Denn derGast, derselben Wurzel wie das lateinischehostis entstammend, ist der Feind und der Fremdling zugleich.Bei den Römern blieb demhostis die Bedeutung des Feindes er-halten, dem sich dann in scharfer Begriffsscheidung derhospesals der Gast, derperegrinus als der gleichgültige Fremdling gegen-überstellte. Der Grieche endlich behielt für den Fremdling, denGast und den Gastfreund fortan nur das eine WortXenos, dessenBedeutung seiner Erweiterung entsprechend sich milderte. Nie kannin ursprünglicheren Verhältnissen der Bürger für den Mitbürger einGastfreund werden. Wohl aber gewährt dem wandernden Fremdlingdas Haus ein schützendes Obdach und, so lange er in ihm weilt,den nämlichen Schutz wie den eigenen Insassen. Bis in die ältesteZeit hinauf reicht bei den Griechen diese Hochschätzung der Gast-freundschaft*). Die Odyssee rühmt es als eine der hervorragendsten

*) Vgl. L. Schmidt a. a. 0. S. 325 ff. Buchholz, HomerischeRealien, II, 2, S. 38 ff- und III, 2, S. 361 ff.