Die Gefühle der Volks- und Staatsgemeinschaft.
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gleich mächtig ergreifendes Gefühl, die Trauer um den gefallenenFreund und die Begier ihn zu rächen, ist im Stande das Gedächt-niss an die erfahrene Kränkung auszulöschen. In diesem Beispielenthüllt sich eine der Entwicklung uneigennütziger Triebe mächtigzu Hülfe kommende Kraft: sie besteht in der Compensationund Selbstregulation egoistischer Triebe. Der Egoismushebt sich selbst auf, indem sich seine Wirkungen zerstören. Achill,der aus Rache die Troer verfolgt, kämpft, ohne es zuerst selbst zuwollen, für die Seinen. Indem er aber nicht um jenes selbstsüchtigenMotives, sondern um der Hülfe willen die er den gefährdeten Ge-nossen leistet Ruhm und Ehre davonträgt, wird schon dem Kämpfen-den dieser Zweck allmählich zugleich zum Motiv, an dem sich dasalte Stammes- und Heimathsgefühl wieder aufrichtet. In der Peri-kleischen Zeit der Athener würde ein Groll wie der des Achill füreinen Helden unrühmlich gewesen sein, und, statt ihm Geschenkezu versprechen, würde man ihn an seine Pflicht dem Vaterlande zudienen gemahnt haben. Das Streben nach Ehre und Auszeichnunghatte hier in der allgemeinen Schätzung über alle andern eigen-nützigen Motive den Sieg davon getragen. Dieses Streben selberist freilich noch ein egoistisches, aber indem die erstrebten realenZwecke bloss der Gesammtheit zu gute kommen, und dem Handeln-den vorzugsweise ideale Güter, wie der Nachruhm, übrig bleiben,führt der Egoismus wider seine eigene Natur zu selbstlosen Wirkungen.Dieser innere Widerspruch von letztem Zweck und ursprünglichemMotiv hat schon in früher Zeit das Nachdenken angeregt, wie unsdies in der mehrfach aufgeworfenen Streitfrage entgegentritt, welcheBeschaffenheit des Staates am günstigsten sei, um die Neigung zurSelbstaufopferung zu erzeugen*). Wie verschieden man auch dieseFrage beantwortete, die Voraussetzung, dass dabei egoistische Be-weggründe bestimmend seien, galt allen Theilen als selbstverständ-lich. Wenn aber trotzdem die Antworten so verschieden ausfielen,dass die Einen Sparta wegen der Mühseligkeit und Reizlosigkeit desdortigen Lebens, Andere aber, wie Perikies, Athen aus den entgegen-gesetzten Gründen das Vorrecht einräumten, so kann dieser Zwiespaltder Antworten an der Richtigkeit der Voraussetzung billig Zweifelerwecken. In der That, dass der Krieger im Felde, ehe er seinLeben für das Vaterland hingibt, darüber reflectirt, ob in demselbennach Zerstörung seiner besten Lebensguter, oder ob überhaupt in
: ) L. Schmidt, Ethik der Griechen, II, S. 230.