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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Sitte und das sittliche Leben.

ersichtlich, dass jene Entfaltungen selbstsüchtiger Triebe, hinterdenen sie allmählich zurücktreten, darauf ausgehen die primitivepatriarchalische Form des Verbandes zu zerstören. Dass ein solcherdurch die Selbstsucht entflammter Wetteifer namentlich da seineWirkungen zu äussern beginnt, wo in Folge des Wachsthums derGemeinschaft persönliche Einflüsse, wie die Auszeichnung im Kampfeoder in den Geschäften des Friedens, die Wahl des Oberhauptesbestimmen, ist naheliegend. Um so wichtiger ist es, dass hier zu-nächst religiöse Vorstellungen noch lange Zeit eine Schutzwehr gegendie Gefahren eines ungebändigten Kampfes egoistischer Triebe bilden.Indem sie die Person des Oberhaupts mit der Glorie göttlicher Ver-ehrung umgeben, fällt ein Theil der letzteren auch auf sein Ge-schlecht: so entspringt die Erbfolge der Fürsten, in einem rohenZustand die stärkste Schutzwehr eines geordneten Rechtszustandes,aus einem in die religiöse Form gekleideten Pietätsgefühl. Dochdie Zeit bleibt nicht aus, wo das eifersüchtige Verlangen rivalisiren-der Häuptlinge jene aus dem natürlichen Familienverband in dasgrössere Gemeinwesen hinübergetragene Ordnung ins Schwankenbringt. So ist es denn besonders der zweite Ausgangspunkt derStaatenbildung, die in Folge kriegerischer Tüchtigkeit oder sonstigerVorzüge erlangte Gewalt des Einzelnen, welche den Wetteifer deregoistischen Interessen entfacht und ihn noch heftiger entbrennenHesse, wenn nicht auch auf die neue Ordnung die im Patriarchal-staat entwickelten Pietätsgefühle sich übertrügen. Darum bildendiese noch auf lange hinaus ein Gegengewicht gegen die zersetzen-den Einflüsse der ungezügelten Selbstsucht.

Nachdem die primitiven Pietätsgefühle verschwunden sind, tretendann andere von verwandtem Inhalt an ihre Stelle. Mit dem Ueber-gang zu festen Wohnsitzen entsteht die Heimathliebe, die indem Cultus der heimischen Götter ihren religiösen Ausdruck findet,und in der die Neigung zu den Stammesgenossen auf unpersönlicheGegenstände übertragen wird. Sie vertieft und erweitert sich indem Masse als die Güter zunehmen, die der heimische Boden unddas Leben auf ihm gewähren. Als Achill, grollend wegen des Unrechts,das ihm widerfahren dem Kampf der Achäer fernbleibt, da klingtwohl durch die Mahnworte des Odysseus und Phönix, die ihn wieder-zugewinnen suchen, ein stiller Vorwurf, dass er die Genossen imUnglück im Stiche lasse; doch schwerer als dieser Appell an dasStammesgefühl wiegt in den Augen der Homerischen Helden dieZusicherung reicher Geschenke. Erst ein anderes das eigene Selbst