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Die Sitte und das sittliche Leben.
so durch seine eigene Unterordnung unter das Gesetz der Stände-scheidung ermässigt. Bald gelingt es, wie in Griechenland und Rom,den eifersüchtigen Stammeshäuptern das Königthum zu stürzen undein aristokratisches Gemeinwesen zu gründen, welches, nachdem dasöffentliche Leben in einem städtischen Bürgerthum grössere Aus-dehnung gewonnen hat, dem Streben der Massen nach Einfluss all-mählich weichen muss, worauf der unvermeidliche Rückschlag derDemokratie in den Despotismus nicht ausbleibt. Bald kommen end-lich, wie bei den germanischen und slavischen Völkern, umfassendereVölkerbewegungeil der frühen Consolidation grösserer Reiche zustatten. Indem diese die republikanische Organisation städtischerGemeinwesen wie der des Alterthums von vornherein unmöglichmachen, führen sie zur Bildung absoluter Monarchien, in denenzuerst einzelne Verbände, Städte und Stände, dann die Massen derBevölkerungen durch ein System von Einrichtungen der Selbstver-waltung und von Vertretungen einen Einfluss zu erringen suchen.Nur zwei Züge sind diesen im übrigen so vielgestaltigen Ent-wicklungen gemein. D er eine besteht in dem Expansion sbe-streben der Staaten. Hat dasselbe, wie im römischen Weltreichoder in der Monarchie Karls des Grossen, zu weit geführt, so folgtals Rückschlag die Zertrümmerung des den Staatszwecken nichtmehr genügenden Ganzen. Doch alle diese Störungen hindern nicht,dass im allgemeinen der Umfang der Staaten stetig zugenommenhat. Der zweite Zug besteht in dem fortwährend wachsendenStreben nach Beseitigung aller von individueller Willkür eingegebenenegoistischen Einflüsse und in einer demgemäss immer bestimmterhervortretenden Verlegung der Staatszwecke in das Gemeinwohl.Auch diese Tendenz kommt nicht widerstandslos und nicht ohnemannigfache Rückfälle zum Durchbruch. Aber ihre Herrschaftkündet sich schon darin an, dass, während eine frühere Zeit unge-scheut persönliche, dynastische oder Parteiinteressen als Staatszweckebetrachten konnte, auf einer späteren Stufe solche heterogene Motive,auch wenn sie wirksam bleiben, doch nur unter dem Vorwand desGesammtinteresses sich an das Licht wagen. Beide Züge stehen mitder Entwicklung der geistigen wie der materiellen Cultur im innigstenZusammenhänge. Mit dem Wachsthum des Staates wächst auch,so lange die Festigkeit seiner Gliederung darunter nicht Noth leidet,die Sicherheit seiner Angehörigen und der Reichthum an Hülfsmitteln,der ihnen für die Befriedigung ihrer Lebensbedürfnisse und für dieEntfaltung ihrer Kräfte zu Gebote steht. . Nur unter einem Zu-