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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Sitte und das sittliche Lehen.

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bildete sich ein ausserhalb der Familienverbände stehendes König»thum aus, das die ersteren bald neben sich fortdauern liess, baldaber auch die Macht derselben im eigenen Interesse beseitigte. Derreligiöse Halt hat den so entstandenen despotischen Regierungs-formen ebenso wenig wie dem patriarchalischen Staate gefehlt. Be-stand er bei diesem in einer Steigerung der priest er liehen Func-tionen, mit denen die Sitte überall den Hausvater betraut, so erhobsich dort die Verehrung des ausserhalb der übrigen Geschlechts-verbände stehenden Herrschers und seines Hauses zur Anbetung, undder Mythus lieh diesem Antriebe folgend dem Geschlecht der Königeeine göttliche Abstammung. Schoben sich aber zwischen dasdienende Volk und den Herrscher untergeordnete Häuptlinge oderbevorzugte Stände, so übertrug sich dann leicht auch auf diese einTh eil jenes mythologischen Glanzes: die irdischen Machtverhältnisseverwandelten sich in göttliche Ordnungen*).

f. Die Entwicklung der Staatsformen.

Alle diese Erscheinungen lassen kaum einen Zweifel, dass beider Entwicklung des Staates aus dem ursprünglichen Stammes-verband zwei Bedingungen sich gekreuzt haben. Die eine beruhtauf dem natürlichen Wachsthum der Gesammtfamilie: sie führt zupatriarchalischen Einrichtungen, die sich in regelmässiger Folge vonder Dorfschaft als der ursprünglichen Gesammtfamilie zum Gau-verband und endlich zu dem nur noch eine lose politische Einheitbildenden Volksverband abstuft. Diese Art Staatsbildung erfolgtauf friedlichem Wege; aber sie geht selten ganz ungestört vor sich,sondern bei der Consolidation der oberen Glieder der Reihe pflegenFactoren einzuwirken, die der zweiten Entstehungsform angehören.Sie beruht darauf, dass, durch äussere Umstände begünstigt, eine’durch physische Kraft oder geistige Begabung hervorragende Per-sönlichkeit sich einen überwiegenden Einfluss verschafft und zunächstin dem Stammesverband, oft aber auch über ursprünglich fremdeStämme die Herrschaft erringt. Diese zweite Bildungsweise desStaates ist vorzugsweise die kriegerische. Zwar ist das Ent-stehen eines durch persönliche Eigenschaften bedingten Uebergewichtssolcher Art unter friedlichen Verhältnissen an sich nicht unmöglich,.