Der Staat und der Staminesverband.
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Solche Familienverbände, wie sie zum Theil heute noch, in allge-meiner Verbreitung aber früher bei den Indianerstämmen Nord-amerikas existirten, bilden sichtlich die Anfänge patriarchalischerZustände*). Die jüdische Geschichte vor der Einsetzung des König-thums zeigt uns das ähnliche Bild innerhalb eines nomadisirendenVolkes. Die Trennung Abrahams von Lot (1. B. Mos. 13) ist hierein typisches Beispiel jener Stammestrennungen, wie sie in einemNomadenvolk durch die äusseren Lebensbedingungen fortwährendentstehen. In ähnlichen Zuständen lebten die vorislamitischen Araberzum Theil bis zum Erscheinen Mohammeds, und die von diesem her-vorgerufene religiös-politische Bewegung fand in der primitivenForm der socialen Cultur des Volkes auf das er wirkte eine mäch-tige Stütze**).
Bei der grossen Bedeutung, die in dem ursprünglichen Stammes-verband der erweiterten Familie zukommt, ist es nicht unwahrschein-lich , dass die hier geschilderte Entstehung patriarchalischer Ein-richtungen nirgends ganz gefehlt hat. Aber in manchen Fällendürfte sie von andern Einflüssen entgegengesetzter Art so frühzeitigunterbrochen worden sein, dass ihre Wirkung auf die dauerndenInstitutionen zurücktrat. Denken wir uns ein Ereigniss wie dasAuftreten Mohammeds in eine vorhistorische Zeit zurückverlegt, sowürde, da von den patriarchalischen Urzuständen, welche die vonihm hervorgerufene Umwälzung vorfand, jede Spur erloschen ist, dervon ihm gegründete Staat nicht dem natürlichen Wachsthum desStammesverbandes, sondern unmittelbar dem Einflüsse einer einzigenmachtvollen Persönlichkeit entsprungen scheinen. Welchen Umfangein solcher Einfluss namentlich unter der Wirkung religiöserMotive gewinnen kann, dafür liefert gerade die Ausbreitung desIslam ein augenfälliges Zeugniss. In der That finden sich nun beizahlreichen Naturvölkern politische Zustände, bei denen der Einflussder Gesammtfamilie völlig verschwunden zu sein scheint. Insbeson-dere da, wo Streitigkeiten mit Nachbarvölkern einen engeren Zu-sammenschluss mehrerer sich bereits fremd gewordener Stämme be-dingten, wie in den despotischen Negerstaaten, oder wo der innereStreit der Geschlechtshäupter und Parteien eine über ihnen stehendeAutorität verlangte, wie auf mancher der polynesischen Inseln, da
*) Waitz, a.a.O.III, S. 119 ff. Morgan, Die Urgesellschaft, S 52 ff.Ratzel, II, S. 618 ff.
**) Kr einer, Geschichte der herrschenden Ideen des Islam. Leipzig 1868,S. 309 ff.