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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
Entstehung
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Die Entwicklung der Sympathie- und Pietätsgefühle.

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der beiden einst getrennten Motive der Blutsverwandtschaft unddes Besitzes die Gründung der Einzelfamilie vollzogen, undnachdem diese sammt dem ganzen häuslichen Lehen unter die Ob-hut des Cultus gestellt ist, wird nun erst jenen secundären, aberfür die sittliche Hebung dieses Lebensverhältnisses bedeutsamstenMomenten voller Spielraum zu ihrer Entfaltung gegeben. Was einergereiften Cultur als die erste Bedingung, das erscheint in der Ent-wicklungsfolge der Motive als das letzte; und aus der unter demEinfluss der secundären Motive entstandenen gemeinsamen Er-ziehungsarbeit entspringt endlich das Bewusstsein wechselseitigerHülfe und Förderung, welches die Verbindung der Gatten selbst erstaus der geschlechtlichen in die sittliche Sphäre überträgt, damit essich in dieser zu dem vornehmsten der durch die Familiengemein-schaft erstrebten Zwecke erhebe.

Die Entwicklung der Familie aus dem Stammesverband er-scheint so als eine Wirkung der allmählichen Differenzirung jenesursprünglichen Sympathiegefühls, bei welchem der Mensch lediglichden Trieb der Erhaltung und Förderung des eigenen Selbst aus sichherausträgt. Eines der wichtigsten Mittel der Hebung dieses Sym-pathiegefühls, das mit den soeben besprochenen Lebensbedin-gungen innig zusammenwirkt, besteht aber in den fortwährendenConflicten, in die dasselbe mit dem ursprünglichen Selbstgefühl sichverwickelt. Wiederum sind Sage, Dichtung und Geschichte von denZeugnissen dieses Conflictes erfüllt. Dass Unrecht leiden besser seials Unrecht thun, ist kein Grundsatz, der von Anfang an in denMenschen gelegt ist. Langsam nur erringt er sich denselben imKampfe mit seinem Selbsterhaltungstrieb. Die Entstehung diesesKampfes ist aber freilich wieder nur unter der Voraussetzung be-greiflich, dass der Trieb, den Leiden des Mitmenschen zu steuernund seine Freuden zu theilen, auf einer ursprünglichen Anlage desmenschlichen Gemüthes beruht. Wohl mag es sein, dass das eigen-nützige Streben sich den Genossen zu verpflichten das Mitgefühlallmählich erst von der Rücksicht auf das eigene Wohl unabhängigergemacht hat, indem es zu den gleichartigen Motiven des Selbst-und des Mitgefühls ein drittes, fremdartiges hinzufügte. Denn nunkonnte, sobald eine Wahl eintrat zwischen eigenem und fremdem.Leid, unter Umständen jenes dritte Motiv gegen das eigene Inter-esse entscheiden. Aber hatte das Streben sich den Mitmenschen zuverpflichten dies Ergebniss einmal herbeigeführt, so konnte nun dasmit dem Act der Selbstüberwindung verbundene Lustgefühl zu einem