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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Familie als sittliche Lebensgemeinschaft.

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Boden gilt als entheiligt, auf welchem ein Unbestatteter liegt. Mitdiesem religiösen verbindet sich sofort ein sittliches Motiv. DerTod setzt jedem Streit ein Ziel. Da der Todte sich nicht mehrschützen kann gegen die Unbill, die ihm widerfährt, so gilt dieseals ein um so schwererer Frevel. Während also ein roheres Zeit-alter den Todten schont, weil es seine Bache fürchtet, ehrt ihneine feiner fühlende Zeit umgekehrt gerade darum, weil er sichselbst nicht mehr rächen kann. Das anfänglich selbstsüchtige Motivwandelt sich in ein selbstloseres um, und dieser Wandel geschiehtunter dem Einfluss der Veränderung der religiösen Motive, wie siedem Uebergang des primitiven Todtencultus in den Gedanken einerallgemeinen göttlichen Weltlenkung entspricht, die Lebende undTodte umfasst. Freilich sind auch hier die Beweggründe nicht völliguneigennützige, da die Scheu vor der Strafe der den Todtenfriedenschützenden Götter neben dem Mitgefühl und der Pietät für denschutzlosen Todten immer noch fortwirkt. Ihren erschütterndenAusdruck findet diese Mischung der Gefühle in der SophokleischenAntigone, die in ihrem religiösen und sittlichen Empfinden sicher-lich mehr eine Vertreterin der Gesinnung des Dichters und seinerZeit als des heroischen Zeitalters ist. Es besteht hier eine unver-kennbare Verwandtschaft mit dem Verhältniss zu den Hülflosen undSchutzflehenden, die ebenfalls in Zeus’ unmittelbarem Schutze stehen,wo aber diese Anschauung selbst doch wieder nur die mythologischeForm ist, in der die sittliche Scheu vor der Gewaltthat gegen denWehrlosen ihren Ausdruck findet.

d. Die Entwicklung der Sympathie- und Pietätsgefühle.

Kaum braucht angesichts aller dieser Erscheinungen noch be-sonders betont zu werden, dass diese ganze Entwicklung weder ausden ursprünglichen Gattungstrieben, die der Mensch mit den Thierengemein hat, noch aus dem Schutzbedürfniss, das er lebhafter alsjene empfindet, zureichend zu erklären ist. Insbesondere das letz-tere ist auch hier wieder ein Erfolg, der als Wirkung anderer Ur-sachen eintreten muss, ehe er selbst als Motiv wirken kann. DieNeigung zu dem Genossen, der ihm gleicht in Sprache, Aus-sehen und Lebensgewohnheiten, ist eine ursprüngliche Uebertragungdes menschlichen Selbstgefühls auf die Umgebung: der Stammes-verband, das Erzeugniss dieses primitiven socialen Triebes,ist daher die älteste Lebensgemeinschaft. Lust und Schmerz des