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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Sitte und das sittliche Leben.

der Ausschmückung des Wohnraumes bethätigt. Zuerst bemächtigtsich dieses Streben nach Schmuck derjenigen Stellen des Hauses,die zugleich als Cultstätten dienen, oder an die aus sonstigen Grün-den religiöse Vorstellungen geknüpft werden. So wandelt sich derFeuerherd in den Opferaltar und schliesslich in die Gebetstätte um,an welcher ein geschmücktes Götterbild die Mitglieder des Hauseszu religiöser Feier vereinigt. Hat sich erst ein gemeinsamer Cultsrebildet, so wandert nun der Schmuck vom Haus des Einzelnen aufdas Gotteshaus hinüber. Wie in diesem der Privatcultus sich ver-vielfältigt, so nimmt auch der Schmuck imposantere Formen an.Er breitet sich vom Götterbild auf dessen ganze Umgebung aus undgeht vom Innern des Tempels auf das Aeussere über. Da dasGotteshaus nur der religiösen Feier dient, so fallen nun bei demAufbau desselben alle jene Nützlichkeitsmotive hinweg, die bei derErrichtung des einzelnen Wohnhauses massgebend sind. Um sofreier kann sich bei ihm der ausschliesslich vom religiösen Gefühlgetragene Schönheitssinn bethätigen. Auf einer niederen Culturstufepflegen sich selbst die Wohnhäuser der Vornehmen höchstens durchihre Grösse und durch ihren festeren Bau von der Hütte des ge-wöhnlichen Mannes zu unterscheiden. Der äussere Schmuck desHauses beginnt so, wie die Entwicklungsgeschichte der Architekturlehrt, nicht an dem Haus des Einzelnen, sondern an dem Ort woeinem Gotte gemeinsame Verehrung gezollt, und der daher zugleichals Wohnstätte des Gottes betrachtet wird. Der Tempel ist daserste öffentliche Gebäude. Der äussere Schmuck erfüllt hier nochden weiteren Zweck, das Gotteshaus fernhin als öffentliche Cultstättekenntlich zu machen. Darum ist bei vielen Völkern, ohne dass einhistorischer Zusammenhang nachweisbar wäre, der Thur mb au fürdas Gotteshaus kennzeichnend geworden. Von dem Tempel ist dieäussere Ausschmückung zuerst auf andere gemeinsamen Zweckenbestimmte Gebäude sowie auf die Häuser der Vornehmen über-gegangen, um schliesslich in bescheideneren Formen selbst dem ge-wöhnlichen Wohnhaus nicht ganz zu fehlen. Nur die Hütte desArmen begnügt sich heute noch mit einer kleinen Schmuckstätteim Innern des Hauses, an der etwa in der Anbringung eines Cruci-fixes oder Heiligenbildes oder, wenn seihst diese verschwunden sind,zum mindesten in der Anordnung gleichgültiger Schmuckgegenständeder Ursprung aus dem Altar des häuslichen Cultus deutlich zu er-kennen ist. So geht der Schmuck zuerst vom Wohnhaus des Ein-zelnen auf das öffentliche Gebäude über, um in diesem von innen