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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Wohnung.

hingen der Sitte beherrscht, macht die Möglichkeit des Rückschrittsin einzelnen Fällen unvermeidlich. Jedenfalls wird man daher selbstder ethischen Bedeutung der Unsitte nicht völlig gerecht, wenn manbei ihrer Beurtheilung ihr geschichtliches Werden ganz ausser Achtlässt*).

b. Die Wohnung.

Nächst der Nahrung ist die Wohnung, das gegen die Unbilldes Wetters, gegen verfolgende Thiere und menschliche Feindeschützende Obdach, das früheste Lebensbedürfniss des Menschen. Ineinem tropischen Klima, wo er der schützenden Kleidung entbehrenkann, vermag er gleichwohl den Schutz des Hauses nicht völlig zumissen. Auch dieses Bedürfniss theilt er noch mit zahlreichenThieren, die mindestens für die Zeit der Jungenpflege bald ein inder Natur sich darbietendes Obdach aufsuchen, bald sich selbst anpassendem Ort ein Nest oder eine Wohnung bauen. Auch derMensch hat ursprünglich die Schutzmittel benützt, welche die Naturihm bot. Die Zeitgenossen des Höhlenbären in Europa bedientensich natürlicher Felshöhlen, die sie nach Bedürfniss erweitert undderen Zugang sie unkenntlich gemacht hatten. Obgleich diese pri-mitive Form der Wohnstätte schwerlich einen andern Zweck hatteals den des Schutzes, so beweisen doch rohe Zeichnungen aufKnochen und Rennthierhorn, dass der Sinn für Schmuck schon indieser frühen Zeit dem Menschen nicht ganz gefehlt hat, und dieSpuren einer Feuerstätte im Innern der Höhle zeigen, dass ihm diekünstliche Zubereitung der Nahrung Bedürfniss war. Auch ein ge-meinsames Obdach und eine gemeinsame Begräbnissstätte, min-destens für die Glieder einer Familie, ist diese primitive, von derNatur selbst dem Menschen angewiesene Wohnung gewesen, wie dieneben den Knochen der geschlachteten Thiere Vorgefundenen mensch-lichen Ueberreste verrathen.

Hatte die Nahrungsbereitung erst an gemeinsame Thätigkeitund an die Bearbeitung des Holzes gewöhnt, so wurde es nun leichtsich unabhängig zu machen von den zufällig Vorgefundenen Schutz-orten. In Nachahmung des Obdachs, das eine Gruppe von Wald-bäumen mit ihren Laubkronen gewährt, baut noch jetzt der Indianerseine Hütte, indem er Zweige oder Stangen in die Erde steckt, dieer oben zusammenbiegt, um sie mit Matten oder einer andern

*) Vgl. hierzu die Bemerkungen über Leichensckmäuse, S. 115.

Wuiidt, Ethik. 2 . Aufl. 10