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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Nahrung.

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mussten auch bei ihr neben der Befriedigung des Nahrungstrieb esbereits andere Beweggründe lebendig geworden sein. Darum sinddem Thiere, so intensiv bei ihm das Lustgefühl des Genusses seinmag, jene secundären Motive völlig fremd geblieben.

Die ethische Bedeutung dieser Entwicklungen, durch welchedas primitivste thierische Lebensbedürfniss zu einem der mächtigstenHülfsmittel der humanen Cultur wurde, kann nicht hoch genug an-geschlagen werden. Schon der äusserliche Gesichtspunkt, dass die-Befriedigung des individuellen Triebes durch die Form, in der siestattfindet, zugleich dem Einzelnen gesellige Pflichten auf erlegt, dieden egoistischen Trieb in bestimmte Schranken verweisen, ist hier-von grosser Wichtigkeit. Dazu kommt als ein inneres Moment derdurch die Eintheilung der Zeit vermittelte regelmässige Wechselvon Arbeit und Genuss, ein Einfluss der die Arbeit ebenso wie denGenuss veredelt, während er gleichzeitig den Charakter erzieht.Denn unter allen Hülfsmitteln, welche die Stetigkeit der Lebens-führung fördern, indem sie den Widerstand gegen wechselndeNeigungen stärken, ist die Gewöhnung an regelmässigen Wechseldas wirksamste. So wird die Gewohnheit die Erzieherin zur Pflicht.Die Sitte, indem sie hier wie überall das regelmässige Thun inihren Schutz nimmt, verstärkt das Pflichtgefühl; und dadurch, dasssie die Abweichung von der eingehaltenen Regel brandmarkt, fügtsie zu dem Antrieb, den das natürliche Bedürfniss schon ausübt, denmoralischen Zwang. Die nämliche Sitte aber, die jenen Zwang ge-boren, ist zugleich die Quelle der höchsten und edelsten Formenmenschlichen Genusses. Wie aus dem Alltagsmahl die Regelmässig-keit der Arbeit entsprungen, so hat sich das Festmahl zur Fest-feier erweitert. Bei ihr wird der Zwang der socialen Sitte reich-lich aufgewogen durch die Verstärkung, die das individuelle Lust-gefühl erfährt, indem es in gemeinsam erlebte Freude sich umwandelt.Diese Verstärkung ist ihrerseits wieder von grosser ethischer Be-deutung. Denn sie lehrt nicht nur, wie hoch für den Einzelnen derWertli der Gesellschaft zu schätzen sei, sondern sie lässt zum erstenMal über die Erreichung anderer als egoistischer Zwecke Freudeempfinden, und es erweist sich, dass diese Freude eine dauerndereist als die Lust an der Befriedigung selbstischer Triebe.

Angesichts dieser heilsamen Wirkungen jener primitiven Cultur-elemente erscheinen selbst die Nachtheile, die auch hier der Miss-brauch der Sitte mit sich führt, in einem milderen Lichte. SolcheUnsitten sind zumeist Ueberlehnisse der Sitte, die, weil sie in eine