Die Nahrung.
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gemeinsame Mahl ist so der subjective Ausgangspunkt regel-mässiger Zeiteinteilung geworden, ähnlich wie die regelmässige Be-wegung der Himmelskörper als deren objectives Hülf'smittel siehdarbot. Vollzieht sich auch der Wechsel der menschlichen Lebens-verrichtungen nicht ganz so regelmässig wie der Umlauf der Sterne,so ist er doch regelmässig genug, dass, wenn sich Mehrere gleich-zeitig gesättigt haben, sie auch annähernd wieder zu gleicher Zeithungrig werden. Die Wiederkehr der für die Zubereitung der Nah-rung erforderlichen Beschäftigungen gewöhnte so an jenen regel-mässigen Wechsel von Ruhe und Arbeit, der eine der Grund-bedingungen socialer Cultur ist.
Nicht geringer als diese äusseren sind aber die innerenWirkungen, welche die Gewöhnung an den gemeinsamen Genuss derNahrung mit sich führt. Zwar jene Rücksicht auf Andere, die wiraus der Vereinigung um einen Herd und um eine Schüssel viel-leicht herleiten möchten, sie ist in einem barbarischen Zustandesicherlich weniger zwingend, als es nach unserer jetzigen Erfahrungscheinen könnte. Hier, wie in so vielen anderen Dingen, ist dieScheu vor den Göttern der Rücksicht auf den Nebenmenschenvorausgegangen. Der Herd, als die Stätte der häuslichen Götter-verehrung, gab auch dem häuslichen Mahl eine religiöse Weihe.Die Götter zur Theilnahme an dem Genüsse einzuladen, die erstenund besten Stücke ihnen darzubieten, um ihrer Huld versichert zusein, dies ist angesichts jener Vorstellungen, welche an die bald wohl-thätige, bald furchtbare Macht des Herdfeuers geknüpft werden, einso naheliegendes Motiv, dass wir uns nicht wundern können, wennwir demselben allerorten und vielfach unter Bedingungen begegnen,die eine unabhängige Entstehung wahrscheinlich machen. Liegt indieser Verbindung religiöser Cultelemente mit der alltäglichen Mahl-zeit der muthmassliche Ursprung aller jener Opferhandlungen, diesich in der Darbringung der vom Menschen selbst genossenen Nah-rung bethätigen, so ist aber auch begreiflich, dass sich bald dasBedürfniss nach einer Sonderung der Zwecke herausstellen musste.Während bei dem gewöhnlichen Mahl der eigene Genuss die Haupt-sache blieb, neben dem übrigens ein Gedenken an die Götter, etwawie bei den Griechen in der Form einer zu Anfang dargebrachtenLibation, nicht fehlen durfte, wurden nun jenen unsichtbaren Mäch-ten besondere Mahle bereitet, bei denen umgekehrt der Mensch sichals Gast betrachtete.
So haben sich schon in den allerersten Anfängen der Cultur