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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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140
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|_j.Q Die Sitte und das sittliche Leben.

steckten Stabes, setzt nun namentlich in einem feuchteren Klimaeine physische Kraftanstrengung voraus, bei der theils Mehrere sichablösen, theils Mehrere Zusammenwirken müssen, wie dies nochheute in den als Spiel oder Aberglaube vorkommenden Volks-bräuchen geschieht, in denen die Entzündung des Nothfeuers sicherhalten hat*). Die Mühseligkeit dieser ursprünglichen Weise derFeuererzeugung machte zugleich die Aufbewahrung und Behütungdes Feuers zu einer der frühesten und wichtigsten Schutzmassregelu,die nun ihrerseits wieder Gemeinsamkeit und selbst eine gewisseTheilung der Arbeit forderte. Indem sich ferner des wohlthätigenund doch auch wieder verderblichen und zerstörenden Elementesfrühe schon das mythologische Denken bemächtigte, sah man in derErzeugung und Bewahrung des Feuers nicht bloss äussere Hülfs-mittel, die der Noth des Lebens dienten, sondern religiösePflichten, durch die der Mensch mit der Verkörperung gött-licher Mächte in Berührung trete. So vereinigte das Feuer dieEigenschaften einer Gottheit und eines nothwendigen Lebensbedürf-nisses, die Entzündung desselben war gleichzeitig unentbehrlicheArbeit und religiöse Ceremonie, und der Feuerherd, der der Bereitung -der Nahrung diente, wurde zur Stätte, wo man den Göttern opferteund zu ihnen betete.

Der Zwang gemeinsamer Zubereitung führte von selbst zumgemeinsamen Genuss der Nahrung, und eine unausbleibliche Folgedes letzteren war die Einführung fester Mahlzeiten zu bestimmtenTageszeiten. Darum bezeichnen die Römer das Mahl als coena.wörtlich als die gemeinsame, xoivtj, communis. Unsere deutscheMahlzeit betont, im Gegensätze zu der hier vorausgesetztenräumlichen Gemeinschaft, die zeitliche Regelmässig-keit. Da das Wort Mahl von dem altd. Mal, Zeitpunkt, her-stammt, welches in dieser Bedeutung noch in den Temporaladverbieneinmal, zweimal u. s. w. fortbesteht, so enthält die Mahlzeit eigent-lich eine Verdoppelung des Zeitbegriffs. Ein Geschlecht, das beidem Wort Mahl nur noch an das Essen dachte, fühlte das Bedürf-niss abermals, das schon die ursprüngliche Wortbildung beherrschthatte, und so wurde dem Mahl der Hinweis auf die Zeit wiederumbeigefügt. Gewiss ein sprechendes Zeugniss dafür, dass dieses Merk-mal stets als ein vorzugsweise bedeutsames empfunden wurde. Das

*) Vgl. Roch holz, Deutscher Glaube und Brauch im Spiegel der heid-nischen Vorzeit, Bd. II, S. 145 ff.