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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Sitte und das sittliche Leben.

■sittlichen Thatsachen aber sind, wie die folgende Betrachtung lehrenwird, überall dem Gesetz unterstellt, dass jene individuellen Lebens-formen, in denen sich rein persönliche Zwecke bethätigen, immerschon die Keime der socialen Sitte in sich enthalten, indem sie vonfrühe an in solchen Gestaltungen zur Erscheinung gelangen, welche anund für sich einen socialen Charakter besitzen. Indem so der in-dividuelle Zweck in gemeinsamer Leistung erreicht wird, ver-binden sich mit ihm ohne weiteres, und ohne dass es den Mitgliedernder Gemeinschaft selbst zum Bewusstsein gelangt, Zwecke, derenObject nicht mehr der Einzelne sondern die Gemeinschaft ist. DieKreise aber, welche dergestalt die einmal über das Individuum hinaus-greifende Sitte zieht, werden weiter und weiter. Von Eamilie undStammesgenossenschaft greifen sie zunächst auf ein grösseres Volks-ganze, dann auf den Verkehr der Völker über, um schliesslich erstda ein Ende zu finden, wo der Kreis der Beziehungen überhauptdie Grenze erreicht, über welche sich menschliche Sitte erstreckenkann: nämlich bei jenem idealen Verband der Menschheit alssolcher, den, obgleich er immer ein idealer bleibt, dennoch die hu-mane Sitte fortwährend in einen realen überzuführen bestrebt ist.

2. Die individuellen Lebensformen.

a. Die Nahrung.

Der Trieb nach Nahrung und das Bedürf'niss nach einemschützenden Obdach sind Merkmale, deren erstes der Mensch mitallen, und deren zweites er wenigstens mit vielen Thieren gemeinhat. Dennoch sind die Lebensformen, in denen sich diese Triebebethätigen, besonders charakteristische Eigenschaften der mensch-lichen Gattung. Indem die ursprünglichen Zwecke der Lebens-gewohnheiten augenscheinlich bei Thier und Mensch von völlig über-einstimmendem Inhalte sind, tritt die für die Abzweigung der Sittevom Trieb so bezeichnende Vervielfältigung der Zwecke und Motivein diesem Palle um so anschaulicher uns entgegen. Es gibt keinThier, bei dem die Aufsuchung der Nahrung und die Herstellungschützender Vorrichtungen für die Erwachsenen oder für die heran-wachsende Brut Uber die Grenze des durch das Nahrungs- undSchutzbedürfniss Gebotenen hinausginge. Und anderseits gibtes keinen noch so zurückgebliebenen Menschenstamm, bei dem sich