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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Zweckmetamorphosen der Sitte.

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das letzte Mahl mit dem Verstorbenen zu theilen, von den Speisendie man ihm in die jenseitige Welt mitgibt selbst zu gemessen,entspringt daher aus einem Gefühl der Pietät ähnlich dem, welchesden Menschen ursprünglich antreibt, von dem Thier das er denGöttern opfert selber zu essen.

Diese letzte Form des Todtenmahls ist wohl diejenige, derenSpuren am längsten erhalten bleiben. Nachdem sie zuerst aus einersinnlichen in die symbolische Bedeutung übergegangen, verliert sieallmählich auch die religiöse Beziehung. Das Todtenmahl wird dannzu einem Erinnerungsmahl, bei dem man in Beden und Ge-sprächen der Tugenden des Verstorbenen gedenkt. So vereinigtensich nach der Schlacht von Chäronea die Eltern und Brüder derGebliebenen bei Demosthenes zum feierlichen Mahle. Es wäre ge-wiss an sich nicht undenkbar, dass jener pietätvolle Sinn, in welchemder gebildete Grieche der attischen Periode das Andenken seinerVerstorbenen feierte, auch noch im heutigen Leichenschmaus seineSpuren zurückgelassen hätte. Wenn dies thatsächlich nicht der Fall,sondern wenn im Gegentheil die Sitte nach unserem heutigen Gefühlzu einer Unsitte geworden ist, so mag ein Theil der Schuld jenerMissgunst beizumessen sein, mit der das Christenthum das alt-germanische Todtenmahl ebenso wie andere heidnische Gebräucheverfolgte. Wo aber einmal eine Sitte missachtet wird, da bemäch-tigen sich ihrer leicht unlautere Motive, indem in einer hier nichtselten vorkommenden Verkettung die Wirkung auf ihre Ursachezurückgreift.

Ein verwandtes Beispiel ist die weniger entartete, aber dochverhältnissmässig bedeutungslos gewordene Sitte des Zu trinke ns.Sie ist in ihrem Ursprung verwandt mit der vorigen; denn wiejene auf das Speiseopfer, so führt diese auf das Trankopferzurück. Mehr noch als die gemeinsam genossene Nahrung galt beiunsern Voreltern der gemeinsame Trunk als Symbol der Verbrüderung.Theils kommt dieser Auffassung die erregende Wirkung des Weinsund anderer berauschender Getränke, die eben dieses Einflusseswegen bei allen Völkern seit frühen Zeiten zu solchen Zwecken ge-wählt wurden, zu Hülfe; theils aber verbindet sich die Vorstellungdes den Muth entflammenden Trankes mit der des Blutes, welchesüberall in der Anschauung des Naturmenschen als der Sitz derLebenskräfte gilt. Wer das Blut des Feindes trinkt, eignet sichdessen Stärke an; wer mit dem Freunde einen Tropfen Blut tauscht,wird ihm dadurch blutsverwandt, gleich dem leiblichen Bruder. In

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