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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Idee der sittlichen Weltordnung.

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Fortlebens innerhalb einer idealen Weltordnung nur in verschiedenerWeise vollzogen. Während sich diese Entwicklung innerhalb desPlatonismus in mehrere, zum Theil zeitlich Aveit getrennte undfeindlich einander gegenüberstehende Systeme verzAveigt, ist dieVedantaphilosophie das Werk einer Schule, und die Pietät derfortgeschritteneren Denker ist bemüht gewesen, das Werk der Vor-fahren zu erhalten, indem sie zugleich den ethischen Werth derälteren Anschauungen für die niedrigeren Stufen der Erkenntnisssicherstellte. So tritt uns hier die einzigartige Erscheinung einesSystems entgegen, welches den Glaubensbedürfnissen aller Stufengleichzeitig gerecht Avird, da ausdrücklich die höhere Stufe dieniedrigere als eine unvollkommenere Form der nämlichen Wahrheitbetrachtet.

Indem die Vergeltungsvorstellungen aus dem Bilde der jen-seitigen Welt verschwinden, hören sie aber nicht selbst auf, sondernsie Avandern nur in das Diesseits zurück, von dem aus sie ursprüng-lich in die Zukunft übertragen wurden. Einem geläuterten sitt-lichen Bewusstsein erscheint nun die Unseligkeit eines beflecktenGewissens als die scIiav erste Vergeltung und zugleich als diejenigeSühnung der Schuld, die der inneren oder Gewissensseite derselbenebenso entspricht Avie die rechtliche Strafe der äusseren, der Ver-schuldung gegen die Gesellschaft. Dies führt uns auf eine letzte,mit den Vergeltungsvorstellungen in nahem Zusammenhang stehendeErscheinung: auf die religiöse Sanction der Sittengesetzedurch deren Umwandlung in religiöse Gebote.

e. Die Sitten ge s etze als religiöse Gebote.

Vermöge der innigen Verbindung sittlicher und religiöser Vor-stellungen, Avelche in der Zurückführung der sittlichen Weltordnungauf eine göttliche Weltlenkung ihren Ausdruck findet, besitzen alleSittengebote ursprünglich den Charakter religiöser Gebote. Sitte,Recht und religiöser Cultus sind in ihren Anfängen auf das innigsteverschmolzen. East überall sind daher die Gesetzgebung und dieUeberwachung der Sitte ursprünglich priesterliche Functionen, unddieser äusseren Vereinigung der verschiedenen Bestaudtheile dersittlich-religiösen Normen in der persönlichen Einheit ihrer Ver-treter entspricht durchaus die mangelnde Scheidung der Gebiete imVölkerbewusstsein. Ein classisches Zeugniss für diese Vermengungder Vorstellungen, in der aber immerhin das specifisch religiöse