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Die Religion und die Sittlichkeit.
Stellungen. Nichts aber ist dieser in so hohem Masse förder-lich gewesen wie die an den Vergeltungsgedanken geknüpftemoralische Vertiefung der Gottesidee. Indem endlich die letzteStufe dieser Entwicklung auf die Gesinnung den ausschliesslichenWerth legt, und indem sie die äussere Handlung nur insofernschätzt, als sich in ihr die religiös-sittliche Gesinnung verr'ätli. er-ringt sich in der Beurtheilung der sittlichen Eigenschaften dassubjective Moment gegenüber dem ursprünglich vorherrschendenobjectiven seine berechtigte Geltung. Denn so verwerflich dieAuswüchse dieses ethischen Subjectivismus zu dem Egoismus derasketischen Weltflucht auch sein mögen, die Werthschätzung dersittlichen Selbstbesinnung als solcher ist als ein hoher Gewinn an-zuerkennen, durch welchen die religiöse Ethik ein starkes Gegen-gewicht bildet gegen die aus einer bloss objectiven Betrachtung dersittlichen Thatsachen so leicht entspringende Neigung zu eineräusserlichen Nützlichkeitsmora].
d. Die Idee der sittlichen Weltordn ung.
Den VergeltungsVorstellungen bleibt, trotz ihrer grossen Be-deutung für die sittliche Entwicklung, der Vorwurf nicht erspart,dass sie den Egoismus als ethische Triebfeder anwenden, indem siedie sittliche Handlung nicht um ihrer selbst willen schätzen, sondernim Hinblick auf künftige Vortheile, die durch sie erworben werden.Je unzweifelhafter es ist. dass sie zu den wirksamsten Hülfsmittelnder sittlichen Ausbildung gehören, wenn sie nicht geradezu diewirksamsten genannt werden müssen, um so weniger kann man sichder Ueberzeugung verschliessen, dass hier unsittliche Motive densittlichen Zwecken dienstbar gemacht sind. Aber diese unerfreu-liche Betrachtung fällt sofort unter einen andern Gesichtspunkt,wenn man bedenkt, dass Motiv und Zweck hier zugleich verschiedeneStadien in dem Verlauf der sittlichen Entwicklung bezeichnen: auseinem Zustande, in welchem das sittliche Bewusstsein selbst nochnicht stark genug ist, um unabhängig von fremdartigen Beweg-gründen den Willen zu lenken, kann sich der Mensch nur erheben,indem er das Sittliche zunächst als Erfolg seines Handelns kennenlernt. Nicht also das sittliche Motiv bringt ursprünglich den sitt-lichen Zweck hervor, sondern der als Erfolg gemischter Beweg-gründe erreichte Zweck erzeugt das sittliche Motiv.
Demgemäss vollzieht sich denn auch sichtlich schon innerhalb