Der Einfluss der Philosophie auf die Vergeltungsvorstellungen.
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bigen Gemütli innerlich voransgeschauten Dasein gilt der christ-lichen Ethik die Gesinnung als Werthmesser des sittlichen Lehens.In keiner Religionsanschauung ist so energisch wie in der christ-lichen der Gedanke zum Ausdruck gekommen, dass Gott die Ge-wissen prüft, und dass nicht in der Werkheiligkeit der Handlungen,sondern in der Reinheit der Gesinnung das Verdienst des sittlichenLebens besteht.
Hierdurch hat das Christenthum einen Conflict beseitigt, dendie religiöse Ethik des Alterthums niemals zu lösen vermochte, denKampf zwischen dem äusseren Sittengebot und der inneren sitt-lichen Pflicht, einen Kampf, der in der Sophokleischen Antigoneeinen so ergreifenden Ausdruck findet, vielleicht eben deshalb, weilliier der Dichter selbst der Lösung desselben nahe steht, ohne siedoch aus den Anschauungen seiner eigenen Zeit heraus geben zukönnen. Das Christenthum schlichtet den Streit, indem es derinneren sittlichen Pflicht, die das Gewissen vorschreibt, den unbe-dingten Vorzug einräumt vor der äusseren Gesetzmässigkeit derHandlungen.
Auf diese Weise sehen wir die Vorstellung, dass an die Hand-lungen der Menschen je nach ihrem sittlichen Werth Belohnungenund Strafen geknüpft seien, wesentlich unter dem Einflüsse derphilosophischen Vertiefung des religiösen Denkens eine Entwicklungeinschlagen, welche den ethischen Gehalt der gesammten Religions-anschauungen und damit zugleich die Wirkungen derselben auf dassittliche Leben verstärkt. Aus der primitiven Ansicht, dass dasVerbrechen, welches menschlicher Strafe entgeht, noch in diesemLeben früher oder später der göttlichen Strafe anheimfalle, hat sichallmählich der Glaube an ein System von Belohnungen und Strafenentwickelt, durch welches in einem künftigen, von den Mängelnder Wirklichkeit befreiten Dasein einem Jeden genau nach demWerth seiner Handlungen vergolten werde. In der Schätzung diesesAVerthes hat aber schliesslich der in der Gesinnung liegende innereWerth der Tugend über den äusseren der Handlungen den Siegdavongetragen.
Je mehr von frühe an die Vorstellung von der Macht derGötter die Furcht vor der Rache der Menschen oder vor der strafen-den Staatsgewalt überragt, um so mehr müssen die in den natür-lichen Lebensbedingungen gelegenen Motive des sittlichen Handelnsdurch die religiösen Motive verstärkt werden, und die Macht derletzteren muss wieder wachsen mit der Erhabenheit der Göttervor-