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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Religion und die Sittlichkeit.

des religiösen Cultus verlegt. Aber um dieser Anschauung ihrevolle Macht über die Geister zu geben, dazu bedurfte es gleich-zeitig jenes speculativen Idealismus, den die Vedantaphilosophieund das Platonische System unabhängig von einander entwickelthaben. Der Aegypter sucht die ganze Körperlichkeit des diesseitigenLebens in das jenseitige zu retten, das ihm daher nur eine Fort-setzung des sinnlichen Daseins ist. Das Brahmanische und dasPlatonische System erst erheben sich zum Glauben an die Unsterb-lichkeit des Geistes, während ihnen die Sinnenwelt als eine ver-gängliche gilt, die nur in dem Masse einen Werth besitzt, als dasunvergängliche geistige Sein an ihr Theil nimmt. So entwickeltsich hier jener Trieb, der Welt zu entfliehen und sich ganz in daseigene Innere zu vertiefen, der in der Vedantaphilosophie den vollenGegensatz zu der werkthätigen, den Zwecken des sinnlichen Daseinsund der bürgerlichen Gesellschaft zugewandten Ethik des Hellenen-thums bildet. Der Platonismus, selbst aus dem Hellenenthum her-vorgegangen, steht zunächt noch vermittelnd zwischen beiden Gegen-sätzen. Aber in den mystischen Bichtungen, in die er ausmündet,und in der mönchischen Askese, welche aus der Platonischen Ver-achtung der Sinnenwelt die praktische Folgerung zieht, treten auchhier die sittlichen Pflichten in den Hintergrund. Der Mystiker wieder Asketiker meinen, jener indem er sich ganz in den Gedankeneiner übersinnlichen Welt versenkt, dieser indem er so viel alsmöglich die Schranken der Sinnlichkeit durch ihre Abtödtung zu ver-nichten glaubt, schon hier, die ewigen Güter eines von der Last derErde befreiten Daseins gemessen zu können. So wird nach einersittlichen Belohnung gestrebt ohne sittliche Handlungen, und indemdas sittliche Leben von allen Beziehungen zur Aussenwelt gelöstwird, verschwindet jede wirkliche sittliche Thätigkeit. An diesemWiderspruch ist der Brahmanismus gescheitert. Das Christenthumaber hat, von einzelnen Verirrungen abgesehen, den Standpunkt desursprünglichen Platonismus zu dem seinigen gemacht. Die sinn-liche Welt ist ihm die Welt der sittlichen Handlungen. Auf siebezieht sich die gesammte praktische Ethik des Christenthums. Dieübersinnliche ist ihm die Weit der sittlichen Belohnungen undStrafen. Nach der Lebensanschauung des Christenthums soll daherder Mensch sich leiten lassen von der Idee einer übersinnlichenWelt, auf die ihm das irdische Leben als eine Vorbereitung gilt.Mit Rücksicht auf diese Beziehung der äusseren Handlungen zueinem ihrer eigenen Wirkungssphäre entrückten, aber von dem gläu-