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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der Einfluss der Philosophie auf die Vergeltungsvorstellungen.

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vollständige Versittlichung des Unsterblichkeitsgedankens nicht ohneden Einfluss philosophischer Speculation vollzogen hat. Schon inden ältesten Hymnen des Zendavesta tritt uns eine Verbindungreligiösen Empfindens und philosophischen Nachdenkens entgegen,wie sie überall auf die Einwirkung machtvoller Persönlichkeitenzurückweist, die den Inhalt der ursprünglichen Naturreligion inethischem Interesse umgestalten.

Anderseits bieten nun aber auch die in dem Mythus über-lieferten Vorstellungen vom Leben nach dem Tode, da in ihnenimmerhin bereits, wie in allen religiösen Vorstellungen, sittlicheKeime enthalten sind, der Philosophie willkommene Anknüpfungenbei ihren Versuchen die letzten Motive des sittlichen Be-wusstseins nachzuweisen. So kommt es, dass vor allem das Ethischeein Gebiet ist, auf welchem sich Philosophie und Mythologie in dermannigfaltigsten Weise begegnen, sei es, dass der Mythus von philo-sophischen Gedanken durchdrungen wird, sei es, dass die Philosophieihre Begriffe in mythologischen Bildern zu verkörpern strebt, odersei es endlich, dass beide. Religion und Philosophie, dergestalt sichdurch dringen. dass es kaum möglich ist zu entscheiden, ob diereligiösen Elemente oder die philosophischen die überwiegenden sind.Als ein Beispiel der ersten Form, der von philosophischen Ge-danken beeinflussten Religion, können wir wohl das ZoroastrischeSystem, als ein Beispiel der zweiten, der von religiösen Ideen ge-tragenen Philosophie, den Platonismus, und endlich als das unver-gleichliche und nirgends wieder erreichte Vorbild einer völligenDurchdringung religiöser und philosophischer Elemente die religiöseWeltanschauung des Brahmanismus betrachten.

Ihre intensivste Steigerung hat die sittliche Verwerthung derTorstellungen vom Leben nach dem Tode namentlich in zweiphilosophischen Systemen gefunden, von denen das eine dem Orient,das andere dem Abendlande angehört: in der Vedantaphilo-sophie der Inder und in dem Platonismus. Beide haben aufdie zwei weltbeherrschenden Religionen, auf den Buddhismus unddas Christenthum, einen tiefgreifenden Einfluss ausgeübt. In conse-quenter Fortbildung des Gedankens, dass dem Tode ein unbegrenztesDasein folge, dessen Werth nach dem Inhalt des gegenwärtigenLebens sich richte, gestehen sie diesem Leben überhaupt nur dieBedeutung einer Vorbereitung auf das Jenseits zu. Zwar hatte,von ähnlichen Voraussetzungen aus, schon die altägyptische Theologiein die' Beschäftigung mit Tod und Unsterblichkeit den Schwerpunkt