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Die Religion und die Sittlichkeit.
imi so mehr kann auch sein Zorn durch Handlungen gereizt werden,die nicht an sich tadelnswerth sind, sondern nur seinen zufälligenLaunen und Wünschen widerstreiten. Ja es kann ^ich ereignen,dass Glück und Ruhm eines Sterblichen, sogar wenn sie aus sitt-licher Tüchtigkeit entsprungen sind, den Zorn des Gottes erregen,weil das über das gewöhnliche menschliche Mass hervorragendeVerdienst ein Vorrecht ist, das der Gott allein für sich in Anspruchnimmt. Auf solchen Voraussetzungen beruht die bei den Hellenenzu so mächtiger Entfaltung gelangte Vorstellung von dem Neidder Götter, eine Vorstellung, die trotz ihrer unsittlichen Auffassungvon den Beweggründen des göttlichen Willens doch für die ethischeEntwicklung selbst nicht ohne Bedeutung ist. In der That birgtdie Idee des Neides der Götter, wenn auch in einer unvollkommenenreligiösen Form, doch selbst einen sittlichen Kern. Auf der einenSeite liegt in ihr der Gedanke, dass allzu viel Glück leicht den Menschenübermüthig mache und so das Geichgewicht seiner sittlichen Kräftestöre. Auf der andern Seite ist es die Forderung der ausgleichendenGerechtigkeit, die in jener Anschauung, dass ein gewissesMass menschlicher Vorzüge nicht überschritten werden dürfe, ohnedass es durch ein entsprechendes Mass von Missgeschick aufgewogenwerde, zum ersten Mal ihre Stimme erhebt. Indem aber allmäh-lich diese Forderung vom Diesseits in das Jenseits verlegt wird,weicht zugleich der niedrige Affect des Neides der Idee einer voll-kommenen Gerechtigkeit, welche nicht nur das Gute belohntund das Böse bestraft, sondern auch alle Verschiedenheit der Lebens-schicksale so ausgleicht, dass Jedem zukommt, w 7 as ihm gebührt. Dochin diesem Wandel der Anschauungen sind bereits Einflüsse zu ver-spüren, die nicht mehr der autonomen Entwicklung der Natur-religion angehören, sondern von dem allmählich herangereiftenphilosophischen Nachdenken auf dieselbe ausgeübt werden.
c. Der Einfluss der Philosophie auf die Vergeltungsvorstellungen.
Innerhalb der Entwicklung der Naturreligionen war die Aus-bildung ethischer Gegensätze da vor allem nahe gelegt, wo derMythus selbst von frühe an den "Widerstreit glück- und unheil-bringender Wesen ausgebildet hatte, wie dies bei den indogermanischenVölkern namentlich in der iranischen und zum Theil in der alt-germanischen Mythologie geschehen war. Doch zeigt gerade dieEntwicklung der iranischen Religionsvorstellungen, dass sich diese